Medien : Schöner sterben

Reinhard Siemes

Was tun Werber, wenn Sie für einen TV-Sender Stimmung machen müssen? Sie zeigen die Hauptdarsteller der aktuellen Serien. Falls die noch niemand kennt, wird der Serientitel illustriert: Mit Pferden, wenn es um Pferde geht, mit Liebespärchen, wenn es um verbotene Liebe geht. Oder mit Segelschiffen, wenn in den Folgen gesegelt wird. Falsch ist das nicht. Aber langweilig. Um so erfreulicher sind darum die Anzeigen und Plakate für die Vox-Serie „Six Feet Under“.

Es ist die erste Soap, die im Bestattungsgewerbe spielt, quasi Dallas mit anderen Bodenschätzen. Und genauso erfolgreich. Dazu kommen jede Menge Auszeichnungen. Als die Düsseldorfer Werbeagentur Sixpack von Vox den Auftrag erhielt, die Serie zu bewerben, dachten ihre Kreativen an die üblichen Beerdigungsbilder: Särge zum Aussuchen, Kränze und Blumenberge, Trauergemeinde vor der Grube usw. Zum Glück fanden sie diese Bilder sterbenslangweilig. Auch fehlte der Bezug zum schwarzen Humor, der über der Serie liegt. Wie so häufig, war die einfachste Idee auch die beste: Grabsteine mit eingemeißelten Zweizeilern in Gold. Dazu der herrlich lapidare Slogan „Gestorben wird immer“. Im Moment fallen mir nur die Sprüche ein: „Er drückte gerne auf die Tube und fuhr direkt in diese Grube.“ Und „Beim Liebesakt der Spitzenklasse stieß er sie von der Dachterrasse.“

Zu allgemeinen Erbauung liefere ich ein paar eigene mit: „Sein Bierbauch war ihm Last und Plage. Gepriesen sei die Rückenlage.“ „Vom Müßiggang im Amt verfettet, hat er sich jetzt auf Samt gebettet.“ „Seit seinem letzten Pilzgericht brennt über ihm ein Kerzenlicht.“ „Er hing seit Jahren an der Flasche und träumt vom Fusel – selbst als Asche.“ Tagesspiegel-Leser, die Willens sind, zu reimen, können ihre Sprüche an www.vox.de schicken. Dann macht der Sender aus den gesammelten Werken ein lustiges kleines Schwarzbuch.

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