Scholl, Will, Piel : Die ARD sichert Arbeitsplätze im Verbund

Mehmet Scholl wird Günter Netzer nachfolgen, Monika Piel übernimmt den ARD-Vorsitz. Doch was mit den Verträgen von Anne Will und Frank Plasberg ist, muss man der ARD aus der Nase ziehen.

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Die ARD ist eine Arbeitsgemeinschaft aus neun Landesrundfunkanstalten. Entsprechend bunt ist das Erscheinungsbild, entsprechend vielfältig sind die Verlautbarungsformen. Also wurde nach der Intendantentagung in Leipzig laut heraustrompetet, dass die ARD ihre bisherige Zusammenarbeit mit Mehmet Scholl verlängert. Danach wird der ehemalige Fußball-Profi bis nach der EM 2012 Fußball-Übertragungen im Ersten als Experte begleiten, und zwar in der Nachfolge von Günter Netzer, der nach der WM 2010 ausscheidet.

„Unsere Zuschauer haben Mehmet Scholls Kompetenz, Witz und Professionalität seit der Fußball-Europameisterschaft schätzen gelernt. Ich bin sehr stolz, dass Mehmet Scholl uns als ARD-Fußball-Experte in den nächsten Jahren weiterhin hervorragend unterstützen wird,“ sagte ARD-Programmdirektor Volker Herres. Der 38-jährige Scholl sei einer der Fußballer mit den höchsten Sympathiewerten in Deutschland. Seit Engagement für die ARD begann 2008, als er neben Günter Netzer erstmalig den Experten bei der Euro 2008 gab.

Auch bei weiteren Personalien war der geschäftsführende Südwestrundfunk (SWR) nicht mundfaul. So wird WDR-Intendantin Monika Piel den ARD-Vorsitz ab 2011 übernehmen. Zudem wird der Vertrag mit „nachtmagazin“-Moderator Ingo Zamperoni verlängert.

Bei anderen „Publikumslieblingen“ sind die Verantwortlichen bedeutend schweigsamer, siehe die Polittalker Anne Will und Frank Plasberg. Hier wurde, anders als bei Scholl beispielsweise, die Karte gespielt, Vertragsinhalte würden nicht kommuniziert. Hinter vorgehaltener Hand war in Leipzig zu erfahren, dass die Verträge beider Moderatoren samt angeschlossenen Produktionsfirmen „synchronisiert“ worden seien. Heißt: Beider Verträge sind vom Herbst 2010 an um ein Jahr verlängert worden plus Option auf ein weiteres Jahr. Bisher war mehr drin. Diese Usancen geben den Fernsehchefs und den Intendanten die notwendige Flexibilität zur Reaktion, sollte Günther Jauch, gleichermaßen Traummann und Trauma der ARD, den Weg ins Erste Deutsche Fernsehen zurückfinden wollen.

Überhaupt fühlt sich die ARD gehörig unter Druck. Die verschiedenen Sender haben mehr als 100 000 Dokumente aus ihren Internet-Auftritten gelöscht. „Es sind ganz beträchtliche, schmerzliche Einschränkungen im Online-Angebot und die gehen zulasten unserer Wettbewerbsfähigkeit“, sagte Peter Boudgoust, der ARD-Vorsitzende und SWR-Intendant. Der NDR etwa habe in den vergangenen Wochen mehr als 50 Prozent seines Internetangebots gelöscht, bei der „Sportschau“ seien ab Juni nur noch 50 Prozent der bisherigen Inhalte verfügbar. „Hier gibt es bei uns keine Expansion, sondern das Gegenteil“, sagte Boudgoust zu der Diskussion um die Online-Aktivitäten der gebührenfinanzierten Sender. Er wehrte sich heftig gegen die Forderungen der privaten TV-Anstalten, die ARD sollte Internet-Präsenz und Werbeplätze reduzieren. „Ich glaube, es ist genügend Platz für alle da!“ Er sei erstaunt, dass in Deutschland solch ein „bitterer Medienkrieg“ geführt werde.Joachim Huber

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