Medien : Schwein darf nicht rein

Türkisches TV verzichtet auf „Winnie Puuhs“ Ferkel

Thomas Seibert/AFP

Als der staatliche türkische Fernsehsender TRT vor wenigen Tagen einen Lizenzvertrag über die Ausstrahlung von Zeichentrickserien und Filmen aus der Traumfabrik Walt Disney unterzeichnete, da langten die Verantwortlichen richtig zu. TRT wird in den nächsten vier Jahren 88 Kinofilme und 21 Serien mit insgesamt 914 Folgen ausstrahlen: Micky und Donald sind dabei, die „Toy Story“ ebenso – aber nicht „Winnie Puuh“. TRT-Fernsehdirektor Muharrem Sevil bestätigte, dass die Serie mit dem süßen Bären und seinem Freund Ferkel im Disney-Paket seiner Fernsehanstalt fehlt. Sendungen, die nicht zur „türkischen Kultur“ passten, würden nicht gesendet.

Für Gegner der islamisch angehauchten türkischen Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan steht längst fest, dass der Ferkel-Verzicht religiös motiviert ist. Im Islam gelten Schweine als unreine Tiere, deren Fleisch nicht gegessen werden darf. Dass das kleine Ferkel in „Winnie Puuh“ von niemandem verspeist wird, sondern nur bei lustigen Episoden mitwirkt, gilt Kritikern als Beweis dafür, dass bei TRT religöse Eiferer am Werk sind.

Der Ferkel-Bann gibt auch deshalb Rätsel auf, weil die Sittenwächter bei TRT zu spät kommen, wenn sie die türkische Öffentlichkeit vor „Winnie Puuh“ beschützen wollten. Die Serie lief schon in türkischen Privatsendern, und wenn türkische Eltern einen Kindergeburtstag veranstalten, können sie dank des großen Angebots an Artikeln das ganze Fest mit Puuh und Ferkel schmücken. Gestört hat sich bisher niemand daran.

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