Medien : Selbst ist die Fernsehfrau

Thomas Gehringer

Die Deutschen sind ein Volk von Heimwerkern, ihre Wallfahrtsorte sind die Baumärkte. Eine wahre Fundgrube unfreiwilliger Alltagskomik, aus der RTL mit der Dokusoap "Der Baumarkt" (heute, 23 Uhr15) aus dem Vollen schöpfen will. Zugleich ist die vierteilige Serie das Debüt von Bettina Böttinger bei einem Privatsender. Allerdings tritt die Kölner Journalistin, die ansonsten beim WDR zu Hause ist, nicht vor die Kamera. Ihre Firma "Encanto" hat die Serie produziert und das Geschehen in einem Baumarkt in Castrop-Rauxel im Ruhrgebiet eingefangen. "Sie müssen Personen auswählen, die Lust haben mitzuspielen und die ihre Eigenart ausleben", sagt Bettina Böttinger. Die fünf Verkäuferinnen und Verkäufer, die für den roten Faden sorgen, sind keine Schauspieler. Böttinger räumt ein, dass gelegentlich Szenen vom TV-Team angestoßen werden und natürlich Einfluss auf die Dramaturgie genommen wird. "Der eigentliche Verlauf und die Dialoge werden nicht geschrieben, das ist von der Reaktion der Menschen abhängig." Natürlich soll es dabei komisch zugehen. Das war, kein Wunder auf diesem Sendeplatz, die Vorgabe von RTL. Doch es gehe keineswegs, wie zu befürchten wäre, um die dümmsten Handwerker Deutschlands: "Wir waren uns mit RTL völlig einig, dass keine Mitspieler vorgeführt und zur Witzfigur degradiert werden."

Eine lustige Kombination ist das ja schon: die Journalistin Bettina Böttinger und der RTL-Comedy-Abend am Freitag. Doch wirklich überraschend auch wieder nicht. Die 43-Jährige ist zwar "als Moderatorin öffentlich-rechtlich, doch nicht als Produzentin", betont sie. Vor knapp acht Jahren gründete sie in Köln ihre Firma, um ihre Talk-Sendung "B. trifft" im WDR-Fernsehen selbst zu produzieren. Mittlerweile hat das achtköpfige Unternehmen einige Erfahrungen vornehmlich mit Dokusoaps gesammelt, die Bettina Böttinger "immer noch ein journalistisches Genre" nennt. So war die Serie über ein Kölner Tierheim ("Ein Heim für alle Felle"), bei der Bettina Böttinger selbst Regie führte, in mehreren ARD-Dritten zu sehen. "Sich nur auf das Moderieren zu verlassen oder zu glauben, bis zum Rentenalter eine eigene Sendung zu haben, das ist etwas blauäugig", meint Böttinger. Insofern sei Männern wie Frauen zu raten, sich ein eigenes Profil neben der TV-Moderation zu schaffen.Pionierin ist Gisela Marx ("Eine ungehorsame Frau"), die bereits 1974 eine eigene Firma gründete. "Filmpool" aus Köln zeichnete zum Beispiel für die Serie "Motzki" und die Dokusoap "Die Fahrschule" verantwortlich und produziert derzeit "Richterin Barbara Salesch" für Sat 1. Marx selbst hat sich mittlerweile von Kamera und Mikrofon zurückgezogen. Neben Bettina Böttinger wandeln weitere prominente Fernsehfrauen auf Produzenten-Spuren: Sandra Maischberger etwa, die die n-tv-Reihe "Markenmacher" produziert, oder auch Bärbel Schäfer, die mit ihrer Firma "Couch Potatoes" nicht nur die eigene RTL-Talkshow, sondern auch "Absolut Schlegl" auf den Pro-7-Bildschirm bringt. Für Bettina Böttinger ist das eine beinahe zwangsläufige Entwicklung: "Sie sind als Moderationsfigur abhängig davon, ob Mann - meistens sind es ja Männer - sie lässt oder nicht. Da spielen viele Faktoren eine Rolle, die sie nicht beeinflussen können." Dann doch lieber das Heft selber in die Hand nehmen: Böttinger könnte sich vorstellen, wie Gisela Marx auch mal einen Spielfilm zu produzieren.

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