Medien : Serengeti darf nicht sterben

Uta-Maria Heim

1959 erhielt „Serengeti darf nicht sterben“ als erster deutscher Film einen Oscar. Hollywood feierte diesen aufklärerischen, unterhaltenden „Kulturfilm“, den Bernhard Grzimek zusammen mit seinem Sohn Michael in Tansania gedreht hatte, als bahnbrechenden Beitrag zum Umweltschutz. Sohn Michael war bei den Dreharbeiten tödlich verunglückt. Er hatte nach Darstellung seines Vaters den größten Anteil an der filmischen Arbeit. Das Ergebnis wurde Grzimeks Meinung nach von der Filmbewertungsstelle der Länder nicht angemessen gewürdigt. Denn an das Prädikat „wertvoll“, das für den kommerziellen Erfolg eines Dokumentarfilms unbedingt notwendig war, wurden Bedingungen geknüpft. Zwar ging immerhin eine Szene mit nackten Afrikanerinnen durch – und das war allerhand in der prüden Adenauer- Ära –, aber auf die Behauptung, „es wäre um uns Menschen besser bestellt, wenn wir die Umgangsformen von Löwen hätten“, sollte verzichtet werden. Wilde Tiere sollten nicht zum Kulturgut zählen.

Die letzten Reste der afrikanischen Natur seien ebenso schutzbedürftig wie die Akropolis und der Petersdom, hatte Grzimek gesagt. Das gab Ärger. Aber er setzte sich durch. Die zwei beanstandeten Sätze wurden nicht gestrichen. Der Film erhielt sein Prädikat trotzdem. Es wurde ein Riesenerfolg. Dennoch sagte Grzimek dem „Spiegel“: „Ich kann dieser Zensur in Deutschland nicht anders ausweichen, als dass ich eben keine Dokumentarfilme mehr herstelle.“ Bernhard Grzimek fühlte sich von einem „Oscar“ somit keinesfalls für die angedrohten Streichungen entschädigt. Das ist aus heutiger Sicht ungeheuerlich. Denn für die Bewilligung von Geldern bei den Förder-Behörden nehmen die Antragsteller inzwischen fast alles in Kauf. Aufrechte Kämpfer für die Unantastbarkeit der künstlerischen Autonomie sind unter den Film- und Fernsehleuten beinah ausgestorben. Wir beantragen deshalb Artenschutz.

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