Serien-Auferstehung : Alte Liebe, neues Medium

Trend in den USA: Im Internet werden abgesetzte Fernsehserien neu aufgelegt. Deutsche Portale sind noch zurückhaltend

Lisa Fritsch
Andere Ausstrahlungsmodelle. Die Bar "No Limits" in der ARD-Soap "Verbotene Liebe" soll geschlossen werden. Fans hoffen auf ein Weiterleben der Serie im Internet. Foto: ARD
Andere Ausstrahlungsmodelle. Die Bar "No Limits" in der ARD-Soap "Verbotene Liebe" soll geschlossen werden. Fans hoffen auf ein...Foto: ARD

Eine zusammengewürfelte Lerngruppe am fiktiven Greendale Community College, die mit Lebensphilosophien und Schulabschlüssen kämpft. Trotz des witzigen Charmes setzte der US-Sender NBC die Comedy-Serie „Community“ und einer großen Fangemeinde wegen schwacher Quoten im Mai ab. Nun greift das Internet-Unternehmen Yahoo danach. Sony Pictures Television soll bis Herbst dieses Jahres 13 neue Folgen für Yahoo Screen, das Videoportal der Website, abdrehen. Auch die Militär-Serie „Enlisted“ von Fox steht auf dem Programm der nicht unbedingt für die Ausstrahlung von Fernsehserien bekannten Homepage. Das ähnelt der Strategie des amerikanischen Video-on-Demand-Dienstes Netflix. Das Portal ließ die vierte Staffel der Serie „Arrested Development“, die Fox im Jahr 2006 abgesetzt hatte, vergangenes Jahr wieder aufleben. Die Comedy-Sitcom wurde danach sogar mit drei Emmys ausgezeichnet. Auch die fünfte Staffel oder ein Film könnte in Planung gehen. Netflix bezahlt das mit seinen Aboeinnahmen. Yahoo hingegen setzt auf Finanzierung durch Werbung, wobei das Unternehmen zuletzt noch Schlagzeilen mit sinkenden Einkünften machte.

Nimmt sich die Microsoft-Tochter da nicht doch zu viel vor? Der Geschäftführer von Yahoo Deutschland, Steffen Hopf, sieht ebenso Potenzial in den Serien-Projekten für das Portal: „Wenn Formate abgesetzt werden, heißt das ja keineswegs, dass sie nicht gern gesehen sind und keine Fans haben.“ Mit den beiden neuen Serien „wird Yahoo zwei US-Formaten ein neues Zuhause geben“. Und die Konkurrenz? Yahoo Screen sei anders aufgestellt als zum Beispiel Youtube oder Netflix, sagte Hopf dem Tagesspiegel. Besonders das junge Publikum, aber auch angestammte Fernsehzuschauer sollen durch die Video-on-Demand-Dienste angesprochen werden.
Deswegen will auch Manuel Uhlitzsch, Geschäftsführer des deutschen Videoportals MyVideo, investieren und mehr Serien in Originalfassung zeigen. Je mehr Video-on-Demand angeboten werde, umso besser lassen sich die Vorteile für den Konsumenten ausspielen, indem deren individuellen Wünschen entgegengekommen wird. Bei Yahoo Deutschland ist das Serienfieber allerdings noch nicht geweckt. Hier wird weitgehend auf kurze Filmformate gesetzt, da das bei den deutschen Usern am besten ankomme. Deswegen soll das Angebot für Musik-Clips noch erweitert werden. Geschäftführer Hopf verwies dabei auf die Zusammenarbeit mit der Musikplattform Vevo. Auch auf der US-Homepage wird unter Yahoo Live Nation jeden Tag ein Live-Konzert durch die Kooperation mit Live Nation Entertainment übertragen.
Mehr Live-Unterhaltung, das ist auch die Devise anderer deutscher Portale. Jan Oetjen, Geschäftsführer von GMX und Web.de, will vor allem die Live-Berichterstattung zu aktuellen Ereignissen ausbauen. Die Erweiterung des Videoangebots richte sich jedoch immer nach den Inhalten und den Nutzerinteressen. „Ein separates Portal, um abgesetzte TV-Serien auszuspielen, das ist nicht geplant“, sagte Oetjen. Der Online-Auftritt seiner Portale gleicht sehr dem Prinzip der Kurzvideo-Formate bei Yahoo Deutschland.
Microsoft zeigt sich in Sachen Serie eher auch noch eher zurückhaltend. Die Xbox Entertainment Studios, die neue Serien-Projekte für die Xbox Community erst erst seit kurzem auflegen, werden bald schließen. Dies ist ein Teil des massiven Sparprogramms unter dem neuen Microsoft-Chef Satya Nadella. Aber nicht alle Projekte sind betroffen, sagte ein Sprecher auf Nachfrage: Laufende Produktionen wie "Halo: Nightfall" oder die Doku „Signal to Noise“ werden weiter erscheinen.
Auch für abgelaufene deutsche TV-Serien scheint es Chancen für eine Neuauflage im Web zu geben. Der Fantasie für andere Produktions- oder Ausstrahlungsmodelle sind keine Grenzen gesetzt. In der Branche wurde schon über ein Comeback der ARD-Serie „Marienhof“, die 2011 abgesetzt wurde, spekuliert. Eine Wiederauflage im Web sei nicht geplant, heißt es. Aber das Comeback muss ja nicht bei der ARD stattfinden. Auch bei der Soap „Verbotene Liebe“ (VL), die Ende des Jahres nach 20 Jahren aus dem ARD-Vorabendprogramm fliegt, halten sich Gerüchte, dass VL-Produzent Ufa Serial Drama wegen der vielen treuen Fans im Internet mit den Adelsgeschichten weitermachen könnte. Produzent Rainer Wemcken verwies auf die hohen Abrufzahlen im Internet und sprach für VL schon von „anderen Produktions- oder Ausstrahlungsmodellen“.

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