Solo-Auftritt : Bohlen for Kerner

Der Poptitan Dieter Bohlen und aktuelles Jury-Mitglied von "Deutschland sucht den Superstar" war zu Gast beim Talktitan Johannes B. Kerner. Und brachte mit seinem Auftritt den erwünschten Quoten-Kick.

Matthias Kalle
bohlen
Bohlen-Faktor. Der Talk brachte Johannes B. Kerner (links) 2,68 Millionen Zuschauer, das ist deutlich über dem Schnitt. -Foto: ZDF

Im Fernsehen – das mag viele überraschen – geht es am Ende auch um Erkenntnisgewinn, das gilt eigentlich für jede Sendung. Bin ich nachher schlauer als vorher? Was von dem Gesehenen kann ich für mein eigenes Leben anwenden? Das sind Fragen, die muss sich der Zuschauer stellen, dann wird vieles erträglicher.

So konnte man auch Dieter Bohlens Solo-Auftritt bei Johannes B. Kerner ertragen, den das ZDF Dienstagabend zeigte, 75 Minuten lang, das bekommt bei Kerner höchstens Helmut Kohl. Beide Gäste haben mit der ursprünglichen Bedeutung des Wortes Unterhaltung nicht mehr viel zu tun, vor allem Bohlen ist Gebrauchsgegenstand geworden, den man sich besorgt, wenn man muss, und Kerner musste mal dringend was für Zuschauerzahlen und Akzeptanz tun, immerhin das ist ihm gelungen. Denn Bohlen funktioniert.

Das weiß Kerner, das weiß Bohlen, der zu allem eine Meinung hat. Umso verwunderlicher war es da, dass Kerner wohl vergaß, gewisse Themenblöcke abzufragen: Soll die Bundeswehr in den Süden Afghanistans? Welcher Präsident wäre für die USA der richtige? Ist die Linkspartei regierungsfähig? Wer bekommt einen Oscar? Bohlen hätte auch darauf Antworten gehabt, so wie er zum Problem der Jugendkriminalität Antworten hatte: „Wenn du auf einen alten Opa losgehst, müsste dieser Typ eigentlich denken, hey ich hab auch einen Opa, ich liebe meinen Opa (…). Das musst du den Leuten vermitteln, das ist ein Opa von irgendjemand anders.“ Aber wer vermittelt den Leuten so was? Bohlen kann nicht, der vermittelt den Leuten, dass sie Talent haben, meistens jedoch, dass sie kein Talent haben, und seine Vermittlerrolle steht in der Kritik. Bei jeder neuen Staffel von „Deutschland sucht den Superstar“ sehen selbsternannte Medienwächter Sitte, Anstand und Abendland in Gefahr; als ein 17-Jähriger zusammenbrach und RTL all das sendete, da stiegen Einschaltquoten und Empörung gleichermaßen. Bohlen, so schien es auch bei Kerner, ist Fluch und Segen zugleich. Ein notwendiges Übel also.

Welche Erkenntnis bleibt noch von dieser Sendung? Das rechte Ohr von Johannes B. Kerner scheint immer größer zu werden. Matthias Kalle

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