Medien : Sonne im Herzen

Warum Costa Cordalis zu Recht „RTL-Dschungelkönig“ ist

Joachim Huber

Costa Cordalis kam etwa zeitgleich mit den griechischen Restaurants nach Deutschland. Aber wo andere kochten, da sang er und versorgte nicht wenige Pauschal-Urlauber mit Sehnsuchtsliedern wie „Es stieg ein Engel vom Olymp“ und „Karolina komm“. Es lief über Jahre gut für den Mann mit den dauerschwarzen Haaren. Dann entdeckten die Deutschen weitere Ziele mit Wärme und Sonnenschein, darunter die Inseln Djerba, Bali, die Dominikanische Republik. Der Flokati wurde entsorgt, für Cordalis kam es hart: Die „Hitparade“ war am Ende, dito die bunten Schlagerabende, seine Gagen liefen ihm offensichtlich so schnell durch die Hände, dass ihm das Geld ausging. Es folgte die Ochsentour durch Stadthallen, Freizeitforen, Betriebsfeiern. Cordalis tauchte bei den Ballermännern auf Mallorca auf. Der Sänger und Songwriter gab nicht auf, schon gar nicht der Kämpfer und Sportler in ihm – er startete 1984 sogar im Ski-Langlauf bei Olympia.

Bis heute ist unklar geblieben, ob Cordalis auch zu Ironie und Selbstreflexion fähig ist. Immerhin sagte er auf die Frage, warum seine neue CD „Hitzefrei“ heiße: „Weil sie Ende Juli rauskommt, und immer so viel Hitze entsteht, wenn wir auftreten.“

Bei den deutschen Frauen hat der, der gerade in Freudenstadt im Schwarzwald mit seiner Frau Ingrid Silberhochzeit feiern konnte, einen Stich. 90 Prozent der Konzertkarten werden von Frauen gekauft, selbst die Stalker sind hier weiblich. Anita M. (43) aus Oberselters schreibt nach Cordalis’ Angaben täglich sieben bis zehn Liebesbriefe, hat sich für C. scheiden lassen und stöhnt zuweilen in dessen Telefonhörer.

Es ist nicht unwahrscheinlich, dass Costa Cordalis als „RTL-Dschungelkönig“ durchging, weil so viele Zuschauerinnen für ihn und nicht für Lisa Fitz gestimmt haben. Cordalis ist nach seiner Krönung überzeugt: „65 Prozent können nicht irren.“ Na ja, wahr ist, dass Cordalis eher einem Hirschkäfer den Rüssel abbeißt als einem Mitmenschen etwas Böses zu wollen. Keiner hat im RTL-Camp treuer in die Zuschaueraugen geguckt, er hat seine Beschützerinstinkte spielen lassen und sein Nervpotenzial derart geschickt versteckt, dass nicht einmal die „Bild“-Zeitung mit seinem Sieg aufmachen wollte, sondern mit der Ehekrise von Caroline „Hacke“-Beil. Ein echter Clever-Costa: Raspelte auf der Gitarre immer seinen „Dschungel-Song“ runter, den er gleich auf Platte pressen ließ.

Ob’s ein Hit wird, ob Costa Cordalis für Deutschland beim nächsten „Grand Prix d’Eurovision“ antreten darf? Unsicher, selbst wenn am Dienstagabend 8,3 Millionen Zuschauer seinen Triumph bei RTL sahen. Wenn nicht, dann eben nicht. Dann geht’s wieder auf Schlager-Schicht zwischen Bad Homburg und Oberursel. Anita M. wartet schon.

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