Soziale Netzwerke : Meine Welt sind die Netzwerke

Neue Freundin, tolle Party, nerviger Job – wie und warum sich die Generation Web 2.0 bei Facebook, Schüler VZ und Xing zeigt. Eine Umfrage

Egal ob sie Kaffee trinken, eine neue Beziehung beginnen oder angenervt sind vom Job – es gibt kaum etwas, was Mitglieder sozialer Netzwerke nicht in die Welt hinausposaunen. Mit Studi VZ, Facebook und Xing hat die Generation Web 2.0 ihr virtuelles Lagerfeuer gefunden. 350 Millionen Menschen sind inzwischen bei Facebook angemeldet, 8,3 Millionen Nutzer haben ein Profil beim Business-Netzwerk Xing, die VZ-Gruppe mit Schüler VZ, Studi VZ und Mein VZ hat 15,8 Millionen Nutzer, Tendenz steigend. Was macht die Netzwerke so attraktiv? Sind Facebook-Freunde wirklich Freunde? Und gleicht die virtuelle Persönlichkeit der echten? Eine Umfrage unter Netzwerk-Nutzern.

Timm Klotzek, Chefredakteur von „Neon“ und „Nido“

Bei welchen sozialen Netzwerken sind Sie angemeldet?

Ich nutze Facebook und Twitter seit etwa einem Jahr, bei Xing bin ich seit vier Jahren Mitglied, inzwischen aber nur noch ab und zu angeschubste Karteileiche.

Wie und warum nutzen Sie die Netzwerke?

Facebook ist ein Universalmonster, ich kontaktiere hier unsere freien Autoren genauso wie meinen Cousin in San Francisco, oft antworten die Leute schneller, als wenn ich sie per Mail anschreibe. Mindestens einmal pro Tag schaue ich auf die Seite, manchmal klicke ich aber auch einen ganzen Nachmittag durch Profile, Fotos, vor allem empfohlene Links. 852 Facebook-Freunde habe ich, bestätige aber nicht alle Anfragen, die ich bekomme. Wenn ich beispielsweise den Eindruck habe, da sammelt jemand nur Kontakte, dann lehne ich die Anfrage ab. Statusmeldungen bekomme ich nur von etwa 100 Leuten, den Rest habe ich geblockt, damit meine Seite nicht überläuft. Ich selbst poste auch halbprivate Dinge, neulich habe ich beispielsweise in die Runde gefragt, wo ich ein gutes graues Sweatshirt ohne Logo finde – Themen eben, über die man auch in einer größeren Runde von Freunden oder Bekannten sprechen würde. Allerdings habe ich mich auch schon von einigen Facebook-Freunden getrennt, weil ich mich über sie geärgert habe. Solche Menschen würde man ja auch im richtigen Leben meiden.

Twitter ist für mich dagegen weniger ein Netzwerk, sondern eher ein Nachrichtendienst-Frühwarnsystem, mir wird dadurch erspart, durchs Netz zu surfen, und ich stoße auf Informationen, die ich alleine nicht finden würde.

Stella, anonyme Nutzerin

Bei welchen sozialen Netzwerken sind Sie angemeldet?

Ich bin bei Xing und Facebook.

Wie und warum nutzen Sie die Netzwerke?

Eigentlich wollte ich gar nicht zu Facebook, aber plötzlich lief in unserem Freundeskreis fast die gesamte Kommunikation über das Netzwerk, E-Mails werden kaum noch geschrieben, alle Partyeinladungen über Facebook verschickt. Um nicht ausgeschlossen zu sein, habe ich mich angemeldet – allerdings unter einem Pseudonym. Ich bin Beamtin in einem Bundesministerium und will nicht, dass Kollegen auf Partyfotos stoßen. Aber nicht nur deshalb verstecke ich meine wahre Identität. Im World Wide Web geht nichts verloren, deshalb gebe ich persönliche Informationen ungern preis. Angaben wie Geburtsdatum und Adresse sind ausgedacht, sogar eine eigene E-Mail-Adresse habe ich für Facebook eingerichtet. So werde ich nicht von anderen Leuten gefunden und kann mir aussuchen, mit wem ich befreundet sein will. Von meinen 108 Facebook-Freunden kenne ich alle persönlich. Ich finde es praktisch, durch die Statusmeldungen am Leben der anderen teilzunehmen. Eine Freundin von mir wohnt in Australien, durch Facebook weiß ich viel besser, wie ihr Alltag aussieht.

Ralf Weber, Werbefilmproduzent

Bei welchen sozialen Netzwerken sind Sie angemeldet?

Bei Asmallworld mache ich seit 2004 mit, bei Facebook seit zwei Jahren.

Wie und warum nutzen Sie die Netzwerke?

Ich bin ständig online, während ich Asmallworld aber vorwiegend für Reisetipps nutze, bin ich bei Facebook quasi seit Monaten nicht ausgeloggt. Als facebooksüchtig würde ich mich aber trotzdem nicht bezeichnen, nur bin ich eben gerne auf dem Laufenden. Und für eine Rampensau wie mich ist Facebook ideal, weil man sich selbst gut darstellen kann. Abgesehen vom Zeitvertreib ist Facebook ein guter Weg, um für meinen Blog www.the-weisenheimer.blogspot.com zu werben. Insgesamt habe ich 4601 Facebook-Freunde, davon kenne ich die Hälfte persönlich. Inzwischen adde ich aber nur noch wenige Leute. Ich habe auch schon Freundschaften gekündigt. Einmal haben mich zwei Mädels regelrecht gestalkt, die sind dann geflogen. Ich selbst poste fast jeden Tag neue Statusmeldungen. Einige Leute mögen es völlig uninteressant finden, wenn ich melde, dass ich am Abend ins Grill Royal gehe oder dass es morgens am Orankesee nebelig ist, aber die müssen’s ja nicht lesen. Und aus banalen Meldungen entwickeln sich oft witzige Sachen. Ich habe auch kein Problem damit, private Sachen bekannt zu geben, beispielsweise, dass ich eine neue Freundin habe. Ist doch schön, sein Glück mit so vielen Menschen teilen zu können. Der virtuelle Ralf ist genau so authentisch wie der echte.

Beate Wedekind, Journalistin

Bei welchen sozialen Netzwerken sind Sie angemeldet?

Bei MySpace, Mein VZ und Facebook

Wie und warum nutzen Sie die Netzwerke?

Zunächst habe ich mich bei MySpace rumgetummelt, aber das war mir irgendwie zu kompliziert, außerdem bin ich keine Videorunterladerin, sondern textorientiert. Deshalb liegt mir Facebook viel mehr. Seit einem Dreivierteljahr bin ich dort Mitglied. Am Anfang habe ich möglichst viele Kontakte gesammelt, den Begriff Freunde will ich nicht verwenden, finde ich unpassend. 1197 Kontakte sind es jetzt, ab und zu schmeiße ich welche raus, wenn sie nicht aktiv sind. Ich habe alle nach Gruppen sortiert, nach Kontakten aus den Medien, Berlin, Schauspieler, ein Teil sind selbstverständlich auch wirklich private Freunde. Der Vorteil gegenüber dem Bloggen ist, dass die Facebook-User ein Gesicht haben, sich nicht hinter irgendwelchen ausgedachten Namen verstecken, da macht es mehr Spaß, Meinungen auszutauschen. Manchmal wundere ich mich allerdings, wie viel Zeit die Leute bei Facebook mit diversen Quiz oder so verbringen. Haben die nichts anderes zu tun?

Bei Mein VZ habe ich mich erst neulich angemeldet, weil ich da auch mit Studi VZ, also der jüngeren Generation, verknüpft bin. Aber Facebook ist die ideale Plattform für mich, weil es international ist und die meisten Leute, die mich interessieren, es auch nutzen.

Julia Suris, Schülerin

Bei welchen sozialen Netzwerken bist du angemeldet?

Ein Profil bei Schüler VZ habe ich seit zwei Jahren, bei Facebook bin ich seit einem Jahr Mitglied.

Wie und warum nutzt du die Netzwerke?

Um mit meinen Freunden zu chatten, wollte ich mich beim Instant-Messenger-Service MSN anmelden, aber davon waren meine Eltern nicht begeistert. Sie hatten Angst, dass ich dann nur noch vorm Bildschirm sitze. Dafür habe ich mich dann bei Schüler VZ angemeldet, da muss man nicht ständig online sein. Fast jeder aus meiner Schule ist bei SchülerVZ Mitglied. Von meinen 298 Freunden kenne ich viele persönlich, manche aber auch nur vom Sehen auf dem Pausenhof. Ich finde das Netzwerk gut, weil man sich selbst ein Profil geben kann, ich habe geschrieben, was meine Lieblingsfilme, Lieblingsbücher und Lieblingsautoren sind. Und ich bin in einigen Gruppen Mitglied wie in „Wenn ich einen Tumor hätte, würde ich ihn Marla nennen“, ein Zitat aus dem Film „Fight Club“, lustig, oder? Natürlich geht es bei sozialen Netzwerken um Selbstinszenierung, aber genauso trifft man Leute mit gleichen Interessen. Ich habe ein Mädchen aus Hannover kennengelernt, mit der ich jetzt befreundet bin, ohne SchülerVZ hätte ich sie nicht getroffen. Facebook hilft mir dabei, mit meinen Freunden aus dem Ausland in Kontakt zu bleiben, die ich im Urlaub kennengelernt habe. Einmal pro Tag schaue ich auf beide Seiten. Was mich echt nervt: Wenn Leute ständig über ihren Beziehungsstress schreiben. Das sollen die doch bitte für sich behalten.

Protokolle: Sonja Pohlmann

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