Soziales Netzwerk : Kahlschlag bei MySpace

Das soziale Netzwerk streicht jede zweite Stelle und zieht sich vom Standort Deutschland zurück. Rupert Murdochs Medienkonzern News Corporation hatte MySpace 2005 für 580 Millionen Dollar übernommen.Doch dann kam Facebook.

Sonja Pohlmann und Kurt Sagatz
Hat genug. Rupert Murdoch kaufte MySpace 2005 für 580 Millionen Dollar.Foto:AFP
Hat genug. Rupert Murdoch kaufte MySpace 2005 für 580 Millionen Dollar.Foto:AFPFoto: AFP

Es sind nur knapp 600 Kilometer, die die Firmensitze der beiden sozialen Netzwerke voneinander trennen. Doch während bei Facebook im kalifornischen Palo Alto gerade Hochstimmung herrscht, geht es bei MySpace in Beverly Hills bergab. Fast jeder zweite der weltweit etwa 1100 Mitarbeiter wird entlassen, darunter alle 30 Beschäftigten in Deutschland, kündigte Firmenchef Mike Jones am späten Dienstag in den USA an. Im Zuge des Umbaus wird die für MySpace Deutschland zuständige Fox Interactive Media Germany GmbH zu Ende Februar geschlossen. Auch das Geschäft in Großbritannien und Australien ist von der Sparaktion betroffen.

Die geplanten Massenentlassungen seien zwar „hart, aber notwendig“, sagte Jones. Mit schlankeren Strukturen solle „ein klarer Weg zu dauerhaftem Wachstum und Rentabilität“ beschritten werden. „Ich bedauere die Entscheidung von MySpace sehr, den Geschäftsbetrieb in Deutschland einzustellen“, sagte Joel Berger, Managing Director Fox Interactive Media Germany GmbH und verantwortlich für MySpace Deutschland. Das Geschäft in Deutschland war nach Unternehmensangaben seit zwei Jahren profitabel.

Nach seiner Gründung 2003 hatte sich MySpace zum weltweit größten Online-Netzwerk entwickelt. Jeder Nutzer konnte sich auf der Seite unkompliziert seinen eigenen „Space“ mit Fotos und Texten zusammenstellen, sich selbst präsentieren und Kontakte mit anderen Mitgliedern knüpfen, was vor allem für Musikgruppen attraktiv war, die für sich werben konnten. Medienmogul Rupert Murdochs Medienkonzern News Corporation übernahm das Netzwerk 2005 für 580 Millionen Dollar. Doch dann kam Facebook, das inzwischen 550 Millionen zählt, MySpace verzeichnet derzeit 100 Millionen Nutzer. Mit gesunkener Bedeutung schwanden auch die Werbeumsätze und die Hoffnung auf Gewinne für MySpace.

Knapp unter 100 Millionen Dollar Verlust hat das Netzwerk 2010 erwirtschaftet, berichtete die Agentur Bloomberg. Analyst Alan Gould von Evercore Partners sagte daher bereits das Ende von MySpace für diesen Sommer vorher, falls sich die Finanzlage nicht entscheidend verbessere. Das neue Management unter Jones soll von Murdoch Zeit bis Juni bekommen haben, das Geschäft zumindest operativ auf einen grünen Zweig zu bringen.

Der Rückzug von MySpace aus dem deutschen Markt erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem der Online-Werbemarkt in Deutschland ein exorbitantes Wachstum verzeichnet. Nach den gerade vorgelegten Zahlen von Nielsen Media Research über den Werbemarkt 2010 legte der Online-Bereich mit einem Plus von 34,8 Prozent auf 2,36 Milliarden Euro überproportional zu. Insgesamt wuchsen dabei die Werbeumsätze um elf Prozent auf 25 Milliarden, angeführt vom Fernsehen (elf Milliarden Euro, plus 16,2 Prozent), den Zeitungen (5,4 Milliarden Euro, plus 1,1 Prozent), den Zeitschriften (3,59 Milliarden Euro, plus 4,3 Prozent) vor dem Internet.

Für Klaus Goldhammer, Chef des Berliner Marktforschungsunternehmens Goldmedia, ist der Rückzug von MySpace aus den regionalen Märkten dennoch eine logische Konsequenz aus dem Siegeszug von Facebook. „Social Media gehört zu den Netzeffekt-Märkten und hier gilt: ,the winner takes it all‘. Das ist bei Ebay zu sehen und genauso bei den Suchmaschinen mit Google. Anderen Netzwerken bleibt angesichts dieser Übermacht nur die Konzentration auf spezielle Nischen“, sagt Goldhammer. „MySpace ist weiterhin eine Super-Plattform, um Musik zu vermarkten.“

Die Anteil der Social-Media-Plattformen am Werbeumsatz wird nach Goldhammers Einschätzung 2011 weiter steigen. „Von den reinen Zahlen mag ihr Anteil noch nicht so groß sein, aber von der Relevanz her und ihrer Bedeutung zur zielgruppengenauen Ansprache werden die Netzwerke schon jetzt von den Media-Planern sehr hoch eingeschätzt“, sagt Goldhammer. Sonja Pohlmann, Kurt Sagatz

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