"Spiegel"-Titel provoziert : Merkel mit Nazis vor der Akropolis

Den neuen "Spiegel" ziert eine gewagte Fotomontage. Zu sehen sind Kanzlerin Angela Merkel, Nazis in Uniform und die griechische Akropolis. Das Blatt räumt selbst ein, dass solche Vergleiche "Unsinn" sind.

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Der provokante "Spiegel"-Titel
Der provokante "Spiegel"-TitelScreenshot:Tsp

Was ist denn da drauf auf dem neuen "Spiegel": Kanzlerin Angela Merkel in gewohnter Pose - naiv wirkendes Lächeln, Hände zur Raute geformt. Hinter ihr ist die Akropolis zu sehen - und ein halbes Dutzend Nazis. Darüber steht: "The German Übermacht".

Derartiges kommt medial sonst nur aus dem Ausland, mal abgesehen von Satiremagazinen wie die "Titanic". Die italienische Tageszeitung "Il Giornale" titelte einmal mit "Quarto Reich" und zeigte Merkel mit der Hand zum Hitlergruß erhoben. Die einstige Vorsitzende des Bundes der Vertriebenen, Erika Steinbach, war in polnischen Blättern in SS-Uniform zu sehen.

Darauf will der "Spiegel" anspielen. In seiner Titel-Geschichte geht es vor dem Hintergrund der Eurokrise darum, "wie Europäer auf die Deutschen blicken". Die zentrale These: "Die Deutschen gelten wieder als Übermacht. Dabei sind sie eher ein schwacher als ein starker Hegemon des Kontinents." Im Text zum Titel kommen acht Autoren mithilfe von Europaexperten zum Ergebnis, dass Deutschland eine wirtschaftliche Macht sein wolle, keine militärische. Der Wille zur geopolitischen Macht gehe den Deutschen eher ab. "Schon deshalb sind die Bezüge zur Nazi-Zeit so daneben."

Auf Kritik und Spott in sozialen Netzwerken hat auch "Spiegel"-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer geantwortet: „Der neue Spiegel-Titel fällt auf, spitzt zu, und scharf ist er auch. Aber missverständlich? Nein, missverstehen kann ihn nur, wer ihn missverstehen will." Weiter: "Wir zitieren, ironisieren und verfremden einen Blick von außen und die Vermischung von deutscher Geschichte mit deutscher und europäischer Gegenwart."

 Dennoch: Viel Aufruhr im Internet. Unter anderem beim Hashtag #SPIEGELtitel häuft sich Häme. "Was sie samstags schon mal vor dem Lesen in den Mülleimer werfen können", heißt es da. Oder: "Wenig intelligent. Wenig kreativ. Wenig lustig."

Merkel unter Nazis - ganz wohl war dann offensichtlich auch Nikolaus Blome, Leiter des Hauptstadtbüros des "Spiegel", und dem Rest der Redaktion bei diesem Cover nicht. Im Versuch, die Titel-Geschichte zu erklären, stellt das Magazin seine eigene Aufmachung in der rituellen Hausmitteilung bloß. "Natürlich ist der Vergleich mit Hitlers 'Drittem Reich' unsinnig", heißt es da. "Aber ist es berechtigt, Deutschland als egoistischen europäischen Hegemon zu bezeichnen?"

 

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