Sportübertragungen : Vor dem nächsten Schlag

Das öffentlich-rechtliche Fernsehen stellt nach dem Radsport nun das Boxen auf den Doping-Prüfstand.

Kurt Sagatz,Pablo Silalahi
Boxen
Angeschlagen: Spektakuläre Boxkämpfe sind Quotengaranten. Als TV-Events könnten sie bald unter Doping-Vorbehalt stehen. -Foto: dpa

Nicht nur der Radsport muss um seine Präsenz im öffentlich-rechtlichen Fernsehen bangen. Auch das Boxen könnte ins Visier der Programmverantwortlichen von ARD und ZDF geraten. Der Grund: Die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) hat festgestellt, dass der Bundesverband Deutscher Berufsboxer (BDB) im Jahr 2006 keine einzige Doping-Trainingskontrolle bei seinen Profisportlern vorgenommen hat. Gerade ein solcher Test während eines Trainingslagers in den Pyrenäen war es aber, der den T-Mobile-Fahrer Patrik Sinkewitz wegen der positiven A-Probe in Bedrängnis gebracht hatte und damit den Ausstieg der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender aus der Live-Berichterstattung auslöste. Droht nun als auch das Aus für die großen Boxevents bei ARD und ZDF?

Beim ZDF wird das Thema sehr ernst genommen. Sportchef Dieter Gruschwitz traf bereits mit einem Präsidiumsmitglied des Boxverbandes zusammen, um über das Problem zu reden. Weitere Gespräche habe er mit den Boxställen von Klaus-Peter Kohl (unter anderem Luan Krasniqi, dessen KO gegen Tony Thompson gerade erst vom ZDF übertragen wurde) und Wilfried Sauerland geführt, sagte er dem Tagesspiegel. Noch sei allerdings nicht die Zeit, über Konsequenzen zu reden, sagte der ZDF-Sportchef. Vielmehr wolle man sich erst einmal mit der ARD abstimmen, um dann in weiteren Gesprächen mit dem Boxverband und den Boxställen auf die Notwendigkeit von Doping-Trainingstests zu reden. „Wir wollen das Thema intensivieren und auf die Missstände aufmerksam machen“, so Gruschwitz.

Bei den ARD-Oberen sieht man die Situation noch gelassen. „Derzeit ist ein Ausstieg aus dem Boxsport bei der ARD kein Thema“ sagte Sendersprecher Christian Bauer dem Tagesspiegel. Natürlich werde man gegebenenfalls „aktuell reagieren“, auf Intendantenebene wird das Thema aber derzeit „nicht diskutiert“. Eine Ebene tiefer sieht es allerdings anders aus. Wie ARD-Sprecher Bauer weiter sagte, ist der geschäftsführende ARD-Sportkoordinator Karl-Günther Wollscheid derzeit „in Gesprächen“ mit dem Boxstall Sauerland, der Boxgrößen wie Henry Maske und Axel Schulz hervorgebracht hat und der zurzeit unter anderem IBF-Weltmeister Arthur Abraham unter Vertrag hat. Wie ARD-Sprecher Bauer sagte, wird nach jedem Sauerland-Kampf in der ARD ein Dopingtest durch die Nada vorgenommen. Auch bei den Rahmenkämpfen gibt es Stichproben nach einem Losverfahren. Sauerland hat sich gegenüber der ARD zu regelmäßigen Tests verpflichtet. Sprecher Bauer betont, dass man „keinen Grund sieht, an dieser Aussage zu zweifeln“.

Für RTL ist Doping im Boxsport kein Thema: „Wir richten uns nach der normativen Kraft des Faktischen. Und Fakt ist, dass wir uns zunehmend in einer hypothetischen Diskussion befinden, wo leider Gottes oftmals die Fakten auf der Strecke bleiben. Wir haben keine Zweifel daran, dass unsere Protagonisten einen Platz in den Diskussionen einnehmen müssen und werden. Wir haben unsere Kämpfe immer nach Qualität des Ereignisses und der Relevanz für den Zuschauer ausgewählt. Wie andere Senderverantwortliche das handhaben, lassen wir unkommentiert“, sagte RTL-Sportchef Manfred Loppe dem Tagesspiegel.

Für ProSiebenSat 1 hat sich die Übernahme der Tour-Rechte, die zuvor bei ARD und ZDF lagen, bislang aus Quotensicht nicht gelohnt. Die 13. Etappe am Sonnabend, die wegen des Ligapokals nicht auf Sat 1, sondern vom Partnersender Pro 7 gezeigt wurde, interessierte nur 530 000 Zuschauer. Am Sonntag stieg die Zuschauerzahl zwar auf durchschnittlich 820 000, der Marktanteil blieb jedoch bei 4,8 Prozent.

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