Standort-Studie : Filmhafen Tempelhof?

Aufgrund einer McKinsey-Studie mahnt das Adlershofer Unternehmen "Studio Berlin" seine Mitbewerber zum Baustopp und warnt vor der Nutzung des Tempelhofer Flughafengeländes als Filmstandort.

Joachim Huber

Die Hauptstadt ist voll, mehr an Studiokapazität geht nicht. Das sagte Martin Willich, Chef von Studio Hamburg, das in Adlershof als Studio Berlin für Film und Fernsehen arbeitet. Willich sagte es mit einer McKinsey-Studie im Rücken. Die von seinem Unternehmen beauftragte Beraterfirma kommt zu dem Schluss, dass mit dem jetzt erreichten Umfang ein Sättigungsgrad erreicht sei. Ein weiterer Ausbau, meinte Willich, könnte zu einem ruinösen Preiswettbewerb führen und den Medienstandort Berlin-Brandenburg nachhaltig schwächen. Der Studiochef nannte die Ergebnisse der Studie „belastbar genug, dass eine weitere Untersuchung eines Mitbewerbers zu keinem anderen Resultat führen würde“. Die scheinbar unumstößliche Boot-ist-vollThese hängt mit der feinen Ironie zusammen, dass Studio Berlin mit seinem im Februar fertiggestellten Neubau die Atelierfläche in der Film- und TV-Hauptstadt um sieben Prozent anwachsen lässt.

Der Wink von Martin Willich geht auch an die Adresse des Mitbewerbers Bufa, der Berliner Union-Film in Tempelhof. Dort wird gerne übers tote Flugfeld zu den Hangars geblickt, die zum Dreh- und Produktionsort taugen. „Wir beteiligen uns an der Hangar-Diskussion nicht“, sagte Willich; und er warnte gar vor einer öffentlichen Debatte darüber mit dem möglichen Ergebnis, dass der Senat von Berlin, angetrieben von großer Ratlosigkeit, wie die Nachnutzung des stillgelegten Flughafens aussehen könnte, mit Subventionen die Umwidmung zum „Filmhafen Tempelhof“ fördern könnte.

Die eigenen Kapazitäten sieht Willich bestens ausgelastet, mit dem neuen Studio H könne der gestiegenen Nachfrage aus dem Bereich Unterhaltung, Show und Film Rechnung getragen werden. Im Vertrauen auf Berlin als wichtigen kulturellen Standort für Film und Fernsehen – während der Pressekonferenz bezeichnete Willich ihn einmal gar als den „wichtigsten“ in Deutschland – wird Studio Hamburg 2009 über elf Millionen Euro in Adlershof investieren; ein Großteil der 450 Arbeitsplätze im weiten Studio-HamburgReich findet sich in der Hauptstadt.

Der Privatsender Sat 1, der für ein Drittel aller Aufträge steht, wird im kommenden Jahr seine Zentrale von Berlin nach München verlagern. Willich formulierte mit Vorsicht, dies sollte nicht notwendigerweise zu Nachfrageeinbrüchen für Berlin und Studio Berlin führen. Die Standortvorteile für die Hauptstadt im Vergleich mit den mächtigen Konkurrenten München und Köln blieben ja erhalten: einmal das kreative Potenzial des Ortes und dann die niedrigen Lohnkosten, die im Schnitt rund zehn Prozent unter denen im übrigen Deutschland lägen. Dies lasse, und hier zeigte sich der Marktoptimismus des Martin Willich, eine Umschichtung von Produktionen auch nach Berlin denkbar erscheinen.

Was 2009 bringt? Bei den Privatsendern werden sinkende Werbeerlöse von bis zu 200 Millionen Euro erwartet, was die Auftragslage bei den Produzenten und Studio-Dienstleistern beeinträchtigen könnte. Trotzdem, so Willich, werden die Qualität und die Quantität der TV-Events nicht abnehmen.

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