Medien : Sternchen-TV

„Dellings Woche“ oder ein Flop, der wehtut

Matthias Kalle

Während im ZDF Johannes B. Kerner die Zuschauer auf das Pokalspiel Bayern München gegen Mönchengladbach einstimmt, könnte sich Gerhard Delling gefragt haben, wo er da bloß hineingeraten ist. Es waren noch ein paar Minuten bis zur Premiere seiner neuen Sendung „Dellings Woche“ im WDR und vor ihm, auf diesem Sender, moderierte der angebliche Komödiant Bernd Stelter eine Gameshow in einer Weise, als hätten die letzten zwanzig Jahre Fernsehen niemals stattgefunden. Am Ende gewann die Siegerin einen Luftschiff-Rundflug. Kein Pokal, nicht einmal zweite Liga, sondern Bezirksklasse – in diesem Umfeld startete Delling; und da der Mann ja Metaphern liebt: Da werden die 45 Minuten auch bleiben, Aufstieg ausgeschlossen.

Dabei funktioniert einer wie Delling im Fernsehen. Den findet man nett. Der ist ja kompetent. Der kann auch lustig. Der hat doch einen Grimme-Preis zu Hause. Vor allem absolvierte er im vergangenen Jahr eine grundsolide Urlaubsvertretung bei den „Tagesthemen“ und nicht völlig zu Unrecht tauchte sein Name auf, als es um die Neubesetzung des Talkplatzes von Sabine Christiansen ging. Doch Delling funktionierte ausgerechnet in der Sendung, die seinen Namen trägt, überhaupt nicht – weil auch die Sendung nicht funktionierte. Die Gäste: Ein Mann, dessen Frau vergewaltigt und umgebracht wurde; ein anderer Mann, der Dinge erfindet, von denen man niemals wusste, dass man die braucht; noch ein Mann, der in ein Neubaugebiet gezogen ist, in dem es keinen DSL-Anschluss gibt; zum Schluss dann eine Frau, die als Anwältin Opfern von Zwangsehen hilft. Bei allem Respekt: Was hat das mit der Woche zu tun? Und was sind das für Themen? Wie genau lautet das Konzept? Der Sender formuliert es so: „In Dellings Woche geht es nicht nur um die Kurznachrichten der Woche, sondern vor allem um die Menschen dahinter und ihre Schicksale. Politik, Sport, Kultur sowie der Boulevard werden Facetten der Sendung sein. Die Zuschauer können sich melden und Gerhard Delling sagen, wo sie ,der Schuh drückt‘.“

Er drückte vor allem beim Gucken – kann da Delling auch was machen? Er könnte, zum Beispiel, sich nicht mehr in diese Kindersessel setzen, im Sitzen neigt Delling zum Rundrücken, das tut beim Schauen ein bisschen weh und wirkt so, als ob Delling seine eigene Sendung zu klein wäre. Als Zuschauer spürte man auch, dass es ihm schwerfällt, echtes Interesse für seine Gäste zu entwickeln, immerhin versuchte er es nicht mit falschem Interesse – er „kernerte“ nicht, er „fühlte sich nicht ein“, das war in Ordnung, obwohl mit Sicherheit nicht Sinn und Zweck der Sendung: Beim Gespräch mit dem Erfinder bemühte sich Delling nicht einmal, den Mann ernst zu nehmen und verwechselte ihn offensichtlich mit Günter Netzer, seinem Partner bei Fußballsendungen.

Kurz vorm Schluss will man dann denken – weil man ja nicht immer alles doof finden will: Irgendwie ist das alles so putzig, dass es schon wieder revolutionär ist. Dann aber sieht man das Studio und denkt an etwas anderes. An Sternchen- TV. Matthias Kalle

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