Medien : Stimme der Welt in Amerika

ABC-Anchorman Peter Jennings ist gestorben

Christoph von Marschall

Generationen Amerikaner sind mit dem täglichen Abendbrotgast aufgewachsen. Fast 22 Jahre lang war Peter Jennings „Anchorman“ der ABC-Abendnachrichten und zuvor zwei Jahrzehnte als Nahostkorrespondent und reisender Außenpolitikchef auf dem Schirm. Er sah die Berliner Mauer wachsen und fallen, begleitete die Gründung der polnischen Solidarnosc und den Sturz des Kommunismus, hat als erster Fernsehmann Arafat interviewt und als erster US-Reporter Ajatollah Chomeini in dessen Exil in Paris. Am Sonntagabend ist der frühere Kettenraucher mit 67 Jahren an Lungenkrebs gestorben.

Dieser Mann hatte Bedeutung für Millionen Amerikaner. Die US-Zeitungen melden seinen Tod, der kurz vor Mitternacht bekannt wurde, auf den Titelseiten und drucken lange Nachrufe. Die Ära der „big 3“ ist zu Ende, die ihren Sendern je 100 Millionen Dollar Werbeeinnahmen im Jahr brachten. Tom Brokaw von NBC und Dan Rather von CBS waren in den jüngsten Monaten abgetreten.

Jennings galt als der liberalste von ihnen, als Kriegsgegner. Er personifizierte den Traum vom Tellerwäscher zum Millionär. Der 1938 in Toronto geborene Sohn eines Rundfunkreporters hatte die High School abgebrochen und eine Kindersendung moderiert, als ihn ABC 1964 beim Demokratischen Parteitag entdeckte. Mit 26 wurde er Komoderator in New York und bald Anchorman. Doch der erste Anlauf des „rising star“ scheiterte, er wirkte unerfahren und wenig vertraut mit Amerikas Kultur. Nach 20 Jahren „draußen“ kam er zurück und verdiente zehn Millionen Dollar im Jahr. Erst 2003 wurde er US-Bürger.

Auch in Berlin hat Jennings Spuren hinterlassen: Der Regierende Bügermeister Klaus Wowereit erinnerte gestern daran, dass Jennings sowohl 1961 vom Bau der Mauer als auch 28 Jahre später von ihrem Fall live aus Berlin berichtet hatte.

Nach den Anschlägen am 11. September 2001 gab er Millionen Halt, war zwölf Stunden ohne Pause auf Sendung. „Wir sahen seine Barthaare wachsen, er teilte mit uns seine Unsicherheit und half uns, zusammenzustehen und menschlich zu bleiben“, heißt es in einem Nachruf.

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