Streik : In der Dauerschleife

Zum vierten Mal rief Verdi am Freitag im Zuge des aktuellen Tarifstreits beim RBB zum Streik auf. Das RBB-Inforadio musste Beiträge wiederholen, die Gewerkschaft droht mit weiteren Maßnahmen.

Sonja Pohlmann

Gleich zweimal hintereinander bekamen die Hörer des Inforadios vom Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) am Freitag den Beitrag über Matthias Platzecks Wiederwahl zum Ministerpräsidenten von Brandenburg im Potsdamer Landtag zu hören – nicht aus Versehen, sondern aus bloßer Not. Beim RBB wurde erneut gestreikt, deshalb wurden Teile des Inforadio-Programms, das nach den Nachrichten um 13 Uhr gesendet wurde, um 14 Uhr nochmals ausgestrahlt. Derweil versammelten sich rund 50 Mitarbeiter zu einem Informationstreffen im Rahmen der Arbeitsniederlegung. Auch Mitarbeiter von „Abendschau“ und „Brandenburg aktuell“ streikten, die Sendungen wurden aber wie gewohnt ausgestrahlt.

Es war bereits das vierte Mal seit Anfang Oktober, dass die Gewerkschaft Verdi zum Warnstreik aufgerufen hatte. Der Sender war von der Aktion überrascht, denn erst am Mittwoch hatte er den Gewerkschaften Verdi, dem Deutschen Journalistenverband Berlin (DJV) und dem Journalistenverband Berlin-Brandenburg (JVBB) vorgeschlagen, ein Schlichtungsverfahren einzuleiten. Damit sollen die bisher ergebnislosen Tarifverhandlungen zügig zum Abschluss gebracht werden. Die RBB-Geschäftsleitung werde den Schlichterspruch akzeptieren, heißt es in dem Vorschlag. Intendantin Dagmar Reim zeigte wenig Verständnis, dass vor der Aufnahme von Verhandlungen wieder gestreikt wurde.

DJV Berlin und JVBB hatten sich dafür ausgesprochen, den Schlichtungsvorschlag zu prüfen, Verdi wollte sich darauf nicht einlassen. Der RBB hatte den Gewerkschaften eine Gehaltssteigerung von insgesamt 4,4 Prozent sowie eine Erhöhung des Familienzuschlags von derzeit 89 beziehungsweise 97 Euro auf einheitlich 120 Euro pro Kind angeboten. Im Gegenzug sollen andere finanzielle Regelungen mittelfristig abgeschafft werden. Verdi fordert jedoch, dass vor der prozentualen Erhöhung ein Festbetrag auf jedes Gehalt aufgeschlagen wird. Dadurch solle verhindert werden, dass sich die Schere zwischen den unteren und den oberen Gehaltsgruppen weiter öffnet, sagte eine Verdi-Verhandlungsführerin. Die Gewerkschaft will jetzt auf weitere Signale von der RBB-Geschäftsführung warten und behält sich vor, weitere Programme zu bestreiken. Sonja Pohlmann

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