Medien : Streit um Schmidt-Gehalt

Der Verwaltungsrat des WDR will mitreden

Kurt Sagatz

Die Rückkehr von Harald Schmidt ins Programm des Ersten ist der ARD lieb und teuer. Um sein Gehalt beziehungsweise die Art und Weise, wie der Vertrag möglicherweise an den sonst zuständigen Gremien vorbei abgeschlossen wird, ist nun ein handfester Streit entbrannt. Denn die Vereinbarung zwischen dem federführenden Sender, dem Westdeutschen Rundfunk, und der „Harald Schmidt“-Produktionsfirma Schmidt & Kogel GmbH komme nicht durch den WDR zustande, sondern durch das ARD-Gemeinschaftsunternehmen Degeto, heißt es in einem Bericht der „Bild am Sonntag“. Das Prekäre daran sei: Diese Firma unterstehe nicht der Kontrolle des WDR-Verwaltungsrates.

Schmidt startet mit seiner gleichnamigen Show am 23. Dezember, von 2005 an sind jeweils mittwochs und donnerstags Sendungen vorgesehen. Dafür soll Schmidt mit seiner Produktionsfirma pro Jahr rund acht Millionen Euro bekommen, heißt es.

WDR-Sprecher Rüdiger Oppers sagte dazu, die Vertragsverhandlungen mit Harald Schmidt seien noch nicht abgeschlossen. „Danach wird der Verwaltungsrat entscheiden, inwieweit er sich mit dem Projekt befassen möchte. Das Gremium hat dann auch die Option, den Vertrag abzulehnen“ sagte Oppers dem Tagesspiegel. Zudem sei der Verwaltungsrat bereits jetzt eingeschaltet und werde auch weiterhin durch Intendant Fritz Pleitgen über den Stand der Dinge informiert.

„Ich werde darauf bestehen, dass dem Verwaltungsrat des WDR bei der nächsten Sitzung der Vertrag vorgelegt wird“, hatte Christa Thoben, ehemalige Berliner Wissenschaftssenatorin und Mitglied des WDR- Verwaltungsrates über „Bild“ gefordert.

Auch ARD-Sprecher Björn Staschen schaltete sich am Sonntag in die Diskussion ein. Die Abwicklung über die Degeto sei „ein übliches Verfahren“. Auf diese Weise sei in den 80er Jahren auch der „gefeierte Kauf der MGM/UA-Filmbibliothek über 240 Millionen Mark abgewickelt“ worden. Überdies würden solche Gemeinschaftsaufwendungen kontrolliert, wenn diese über einer „festgelegten Grenze für zustimmungspflichtige Ausgaben“ lägen.

Hinter dem „Bild“-Bericht vermutet Staschen „Konzerninteressen“. Als Schmidt noch für Sat 1 gearbeitet habe, sei regelmäßig positiv berichtet worden. Es falle „nun immer deutlicher auf, dass Schmidt offenbar nach Auffassung von „Bild“ und „Bams“ zum falschen Sender wechselt. Das sieht die ARD völlig anders“, erklärte er und verweist darauf, dass der Axel Springer Verlag Großaktionär der ProSiebenSat1. Media AG sei.

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