Medien : Studie: Medienkritik leistet zu wenig

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Medienkritik in Zeitungen, insbesondere die Kritik des Leitmediums Fernsehen, ist in Deutschland nach Ansicht von Wissenschaftlern nur dürftig ausgeprägt: Es stehe in Frage, „ob das Mediensystem aus sich heraus vielfältige Beiträge zur öffentlichen Kritik des Fernsehens hervorbringt und hervorbringen kann“, schreiben die Autoren der Studie „Zur Kritik der Medienkritik“ (Vistas Verlag, Berlin, 586 Seiten, 25 Euro), die von der Landesanstalt für Medien NRW in Auftrag gegeben wurde. Als Probleme werden insbesondere die Neigung zum Insidergespräch und die Verengung des Gesichtsfelds auf ökonomische Fragen genannt. Zudem sei die Stellung von Medienressorts in den Unternehmen vielfach ungesichert. „Es fehlt ein institutioneller Unterbau“, erklärte Professor Ralph Weiß bei der Vorstellung der Studie in Köln. Journalisten würden eher zufällig in das Ressort gelangen, es mangele an „Foren und Gelegenheiten für eine professionelle Selbstverständigung“.

Das nicht eben schmeichelhafte Urteil bezieht sich auf ExpertenInterviews sowie eine Inhaltsanalyse überregionaler Tageszeitungen wie der „FAZ“, der „SZ“ und der „Bild“-Zeitung. Auch Wochenpublikationen („Spiegel“, „Zeit“), Fachdienste („epd Medien“, „journalist“) und Programmzeitschriften wurden untersucht, die regionale Presse dagegen nicht. In Tageszeitungen sind demnach nur etwa zwei Drittel der Medienberichterstattung auf den Medienseiten selbst zu finden. Der Rest wird vorwiegend im Wirtschaftsressort, aber auch im Vermischten („Bild“, „Welt“) und in der Politik („taz“, „Welt“) platziert. Mit Blick auf die „Bild“-Zeitung spricht die Studie von einem „symbiotischen Verhältnis zum Fernsehen“. Wenn Printmedien am Aufmerksamkeitswert des Fernsehens teilhaben wollen, „verzichten sie auf eine eigenständige publizistische Rolle“.

Als Konsequenz fordern die Autoren unter anderem eine externe Qualitätskontrolle wie eine „Stiftung Medientest“. Der Leiter des Hans-Bredow-Instituts, Uwe Hasebrink, rief zu mehr bürgerschaftlichem Engagement auf. „Der Zuschauer wird als potenzieller Medienkritiker nicht ernst genug genommen“, erklärte Hasebrink und verwies auf die rege Einmischung von Zuschauerverbänden zum Beispiel in Spanien. tgr

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