Medien : Sydney rennt

„Alias – Die Agentin“, eine Serie mit kinoreifer Vergangenheit

Thomas Gehringer

Action ist männlich. Dieser Satz gilt längst nicht mehr uneingeschränkt. Die muskelbepackten Schwarzeneggers haben auf Leinwand und Fernsehschirm Platz gemacht für gertenschlanke Wesen, die ihre Gegner flink und elegant ausschalten und dabei auch verbal ausgesprochen schlagfertig sind. Und natürlich haben sie mehr Sex-Appeal. Allerdings fällt gerade bei den TV-Serien auf, dass diese Frauenfiguren eher unwirkliche Gestalten sind: Sie wurden als Klone mit übermenschlichen Fähigkeiten gezüchtet wie „Dark Angel“ Jessica Alba, oder sie jagen Vampire wie „Buffy“ Sarah Michelle Gellar. So recht scheinen die Produzenten der weiblichen Tatkraft nicht zu trauen; ein Schuss Übersinnliches muss offenbar dabei sein. Heute bekommen diese Frauen vielversprechende Gesellschaft: In der US-Serie „Alias – Die Agentin“ (Pro 7, 20 Uhr 15) ist die Studentin Sydney Bristow gleich für zwei Geheimorganisationen unterwegs, und diese Actionheldin ist zwar eine Fantasie-, aber endlich mal keine Fantasyfigur.

Von einem Trend zu weiblicher TV-Action mag Nadja Anan, die bei Pro 7 für Internationale Serien zuständig ist, nicht sprechen, aber grundsätzlich sei es „schon länger zu beobachten, dass Frauen in US-Serien bessere Rollen bekommen“. Und das wirkt sich auch in Deutschland aus; hier zu Lande haben zwar nicht amerikanische Fernsehfilme, aber zumindest die Top-Serien wieder Konjunktur. „Alias“ bescherte dem Sender ABC neben hohen Einschaltquoten auch begehrte Preise. Für die künstlerische Leitung und die Kameraführung gab es jeweils einen Emmy, und Hauptdarstellerin Jennifer Garner, die derzeit in Steven Spielbergs „Catch Me If You Can“ im Kino zu sehen ist, wurde mit einem Golden Globe ausgezeichnet. „Alias“ besticht durch rasante, kinoreife Optik, durch einen Rückgriff auf klassische Serien- Dramaturgie mit einem Cliffhanger am Ende jeder Folge und vor allem durch ein raffiniertes, doppelbödiges Spiel mit seinen Figuren: Wem kann Sydney (Jennifer Garner) trauen, wenn nicht einmal der Vater (Victor Garber) sein Geheimnis preisgibt? Auch Sydney muss ihre Identität verbergen, denn sie arbeitet für eine geheime Abteilung der CIA – glaubt sie zumindest. Gleich in der Pilotfolge begeht sie den Fehler, sich ihrem ahnungslosen Verlobten zu offenbaren. Das haben ihre Auftraggeber nicht so gerne. Unumstrittener Star der Serie ist die 30-jährige Texanerin Garner. Sie ist brave Studentin, coole Agentin, reizende Geliebte und manchmal rasende Furie. Dann trägt sie das Haar feuerrot, und das deutsche Kino darf sich geehrt fühlen, weil es hier mal von einem Amerikaner, dem „Alias“-Autor und „Lola-rennt“-Fan Jeffrey Abrams, zitiert wird.

Filmzitate finden sich reihenweise, besonders an „Mission Impossible“ fühlten sich Fans und Kritiker in den USA erinnert. Neben „spektakulärer Action“ bietet die Serie (Produktionskosten pro Folge: zwei Millionen Dollar) viel Gefühl und eine im Grunde normale Heldin. Für den Münchner Privatsender soll „Alias“ ein ähnliches Aushängeschild werden wie es einst „Akte X“ war.

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