Talk 2009 : Will gewinnt

Aber die politischen Magazine und Talkshows verlieren 2009 trotz der Bundestagswahl an Zuspruch.

Joachim Huber
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Rekord-Talk. Die „Anne Will“-Ausgabe am 13. September 2009 nach dem TV-Duell zwischen Merkel und Steinmeier verfolgten 6,41...NDR Presse und Information

Da hängt etwas zusammen. Die Beteiligung an der Bundestagswahl am 27. September 2009 lag bei historisch niedrigen 72,2 Prozent. Was immer die generellen wie individuellen Gründe der Bürger gewesen sind, das Leitmedium Fernsehen konnte die Beteiligung nicht steigern. Das Gegenteil ist der Fall: Der größer gewordene Abstand zwischen Politik und Wahlvolk hat das Interesse an der politischen Information im Fernsehen verringert.

So haben die führenden Politmagazine Teile ihres Publikums verloren. Am besten schnitt nach Quoten das ARD-Magazin „Panorama“ vom NDR ab, das im Durchschnitt pro Ausgabe 3,15 Millionen Zuschauer (Marktanteil: 11,9 Prozent) einschalteten. 2008 waren es noch 3,48 Millionen (MA: 12,9 Prozent). „Monitor“ (ARD/WDR) erreichte 2,99 Millionen Zuschauer (MA: 11,2 Prozent) nach 3,14 Millionen (MA: 11,6 Prozent). Der Wert für „Frontal 21“ (ZDF) sank auf 2,89 Millionen Zuschauern (MA: 9,6 Prozent) nach 3,45 Millionen (MA: 11,2 Prozent) im Jahr 2008.

Dieser Trend hat auch vor den wichtigsten politischen Talkshows nicht Halt gemacht, allerdings sind die Verluste bei den absoluten Zahlen deutlich geringer. „Hart aber fair“ (ARD/WDR) sahen in diesem Jahr bei jeder Ausgabe durchschnittlich 2,98 Millionen Zuschauer (MA: 12,5 Prozent). 2008 wurde die Resonanz mit drei Millionen gemessen (MA: 12,2 Prozent). Maybrit Illner hat mit ihrer Wochensendung im ZDF ebenfalls leicht an Quote eingebüßt. 2,35 Millionen Zuschauer im Schnitt schalteten ihren Talk ein (Marktanteil: 12,2 Prozent). 2008 waren es 2,37 Millionen (MA: 12,7 Prozent).

Den Negativtrend klar durchbrochen hat „Anne Will“. Die Talkshow des NDR im Sonntagsprogramm der ARD konnte ihre Werte bei Publikum und Marktanteil steigern, um so bemerkenswerter, als mit der neuen, zeitgleichen Bundesliga-Zusammenfassung in den Dritten harte Konkurrenz erwartet worden war. Durchschnittlich 3,80 Millionen Zuschauer verfolgten die Sendung (MA: 13,5 Prozent), Im Vergleich zu 2008 ist das ein merklicher Anstieg, damals lag der Wert bei 3,60 Millionen (MA: 12,8 Prozent). „Anne Will“ kann auch die höchste Einzelquote aller Polittalks 2009 vermelden. 6,41 Millionen Zuschauer wollten am 13. September „Anne Will nach dem Duell“ zwischen Kanzlerin Angelika Merkel (CDU) und SPD-Kandidat Frank-Walter Steinmeier sehen (MA: 25,8 Prozent). Das Duell selbst schalteten knapp 14 Millionen ein, ein herber Rückgang zu den 21 Millionen beim Duell 2005 zwischen Merkel und SPD-Kanzler Gerhard Schröder.

2009 war ein Jahr mit Bundestagswahl, doch kein Jahr ausgeprägten politischen Interesses im TV-Volk. Nach einer Umfrage von ARD und ZDF bescheinigten 53 Prozent der Befragten nach der Wahl ein sehr starkes oder starkes Interesse an der Entscheidung. Vor vier Jahren wurde noch ein Wert von 64 Prozent gemessen.

Allerdings sind politisches und allgemeines Interesse nicht deckungsgleich. Die führende Informationssendung, die „Tagesschau“ im Ersten um 20 Uhr, hat ihr Durchschnittspublikum von 8,73 Millionen im Jahr 2008 auf aktuell 8,85 Millionen steigern können.

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