Talk bei Günther Jauch zu Jugendgewalt : Mein Kind ist ein Schläger

Im Anschluss an den Kölner Tatort diskutierte Günther Jauch eindrucksvoll mit seinen Gästen das Thema Jugendgewalt - auch zwei ehemalige Täter saßen in der Runde. Ihnen hätte Jauch noch mehr Raum geben sollen.

von
Bei Günther Jauch ging es am Sonntag um das Thema Jugendgewalt.
Bei Günther Jauch ging es am Sonntag um das Thema Jugendgewalt.Foto: dpa

Das Konzept ist zukunftsträchtig, wenn es funktioniert, und manches spricht dafür. Der Kölner Tatort „Ohnmacht“ verhandelt bis 21.45 Uhr  einen besonders brutalen Fall von Jugendgewalt und Jauchs Sendung aus dem Schöneberger Gasometer hängt sich anschließend mit einem Schwerpunkt über Jugendkriminalität direkt an, dramaturgisch geschickt mit Einspielern aus dem gerade gesehenen Film. Als Gäste hat Jauch eine Mutter, die auch nach Jahren noch rätselt, warum ihr Sohn ihr im Alter von etwas zwölf Jahren entglitt und als Schläger straffällig wurde, dann der Sohn selbst, der in bemerkenswert offener Weise über die Sinnlosigkeit der Haft spricht. Ihn ergänzt ein zweiter früherer Straftäter, auch er mit gleicher Bilanz: Das Gefängnis hat zur Resozialisierung nichts beigetragen, aber wichtig war es doch, denn: Bewährungsstrafen werden als Freispruch empfunden, weil ja eigentlich nichts passiert.

Ein Urteil, damit die Kinder zur Vernunft kommen

Eine Berliner Jugendrichterin, ein Bremer Hauptkommissar und ein deutscher Jugendpsychiater und Mediziner, der in der Schweiz arbeitet, ergänzen eindrucksvoll.  Die Richterin, weil sie die unterschiedlichen Fälle klug darstellt. Da sind die Eltern, die das Problem überhaupt nicht erkennen. Dann jene, die die Richterin ganz im Gegenteil sogar um ein klares  Urteil bitten, damit die Kinder zur Vernunft kommen.

Der mit Schweizer Erfahrungen helfende Psychiater, der vom Nutzen begleitender Therapien weiß, nicht verschweigt, dass Veranlagungen eine Rolle bei der Neigung zur Gewalt spielen, und dass es, wie er es provokant nennt, eine „erzieherische Verwahrlosung“ gibt, die sich dadurch auszeichnet, dass Eltern ihren Kinder alles durchgehen lassen. Der von der Berliner Richterin später in seiner Argumentation leise, aber klar in die Schranken verwiesen wird, als sie sagt, dass Gewalt in der Erziehung auch nicht gut sei.

Viele nachdenkliche Momente

Jugendgewalt ist, das lernen wir, obwohl wir es ja eigentlich wussten, kein Problem der so genannten unteren Schichten, aber sie wird überall dort zur Gefahr, wo Kindern und Heranwachsenden keine Eltern oder andere vertraute Erwachsene zur Seite stehen.

Keine schlechte Sendung, viele nachdenkliche Momente, von denen Jauch einen leider versäumte: Als Dennis, der verurteilte Jugendstraftäter, der sich so beeindruckend mutig wie auch der zweite, Martin, in die Sendung wagte, klagte, es gebe in der Haft zu wenig Angebote für Jugendliche. Da nun hätte man gerade gerne mehr gehört, aber Günther Jauch wollte das Sendekonzept durchziehen und hatte zu Dennis keinen Draht. Schade.

4 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben