"Tatort Internet" : Intensive Prüfung

Die umstrittene RTL-2-Sendung "Tatort Internet" wird nun von Experten unter die Lupe genommen. Sie wollen sich dabei aber nicht nur auf die Frage nach journalistischen Standards konzentrieren.

Die umstrittene RTL-2-Sendung "Tatort Internet" soll intensiv von der Kommission für Zulassung und Aufsicht der Landesmedienanstalten (ZAK) geprüft werden. Vor allem soll der Frage nachgegangen werden, ob die mutmaßlichen Täter durch Sprecher-Kommentare über ihre Lebenssituation für Außenstehende erkennbar waren, teilte die Kommission am Donnerstag nach ihrer Sitzung in Mainz mit. Man wolle so feststellen, ob RTL 2 Persönlichkeitsrechte verletzt oder journalistische Standards missachtet habe.

In der Sendung „Tatort Internet“ gibt sich eine Journalistin in einem Online-Chat als 13-jähriges Kind aus, um Pädophile anzulocken. Kommt es dann zu einem realen Treffen, wird der Beschuldigte vor der Kamera zur Rede gestellt

Medienrechtler hatten Bedenken an dem Format geäußert, nachdem es Internetnutzern in mindestens zwei Fällen gelungen war, die Klarnamen der beschuldigten Personen zu recherchieren.

„Ohne das Ergebnis der Prüfung vorwegzunehmen, gilt grundsätzlich, dass bei der Berichterstattung über Unglücksfälle, Straftaten, Ermittlungs- und Gerichtsverfahren die Medien in der Regel keine Informationen in Wort und Bild veröffentlichen dürfen, die eine Identifizierung potenzieller Opfer und Täter ermöglichen“, sagte Wolfgang Thaenert, Direktor der zuständigen Landesmedienanstalt Hessen.

Gleichzeitig betonten die Direktoren der Landesmedienanstalten, sie begrüßten die gesellschaftliche Diskussion über die Gefahren von Online-Chats, die die Sendung ausgelöst habe. RTL 2 richte sich an Zuschauer, die über die traditionellen Informationswege schwer zu erreichen seien, sagte der ZAK-Vorsitzende Thomas Langheinrich: „Das Thema verdient Aufmerksamkeit in allen Bevölkerungsgruppen.“ Die Kommission für Jugendmedienschutz will sich in ihrer Sitzung
am 11. November mit der Sendung befassen. Tsp

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