Medien : Tausendmal polarisiert: Franz Josef Wagner, Kolumnist

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Gestern erschien Ihre tausendste „Bild“- Kolumne „Post von Wagner“ mit einer Liebeserklärung an Berlin. Wie groß ist die Lust, jeden Tag aufs Neue einen Brief zu schreiben?

Jeder Brief ist wie der erste. Heute stehe ich wieder wie der Ochse vorm Berg und weiß nicht, an wen ich worüber schreiben werde. Vielleicht über die Aggressivität im Fußball nach dem Kopfstoß des Duisburger Trainers, vielleicht über die CIA.

Gibt es Tage, an denen Sie sich für das, was Sie geschrieben haben, schämen?

Ja. Wenn ich mich in der Wortwahl vergriffen habe. Unter den 1000 waren vier oder fünf, die würde ich heute anders schreiben. Andererseits muss ich polarisieren, sonst wäre die Kolumne nach 50 Folgen wegen Langeweile eingestellt worden.

Ernten Sie viel Resonanz, etwa, wenn Sie wieder mal über Ihr Single-Dasein klagen?

Ab und zu bekomme ich Bikini-Fotos und Einladungen von Menschen, die mich kennen lernen wollen. Aber da reagiere ich nicht drauf. Hasstiraden gibt es natürlich auch. Sie müssen nur mal meinen Namen googeln. Verrückt ist das schon. Ich schreibe mein ganzes Leben, aber erst diese Kolumne hat mich in der breiten Masse bekannt gemacht. Und das, obwohl ich nie irgendwo im Fernsehen auftrete.

Am häufigsten haben Sie an Gerhard Schröder geschrieben – insgesamt 31 Mal …

Schröder war der wichtigste Mann Deutschlands, noch dazu gut aussehend und ein Womanizer – ein dankbares Opfer.

War Schröder der letzte lebende Macho?

Nein, ich lebe ja auch noch. Aber wenn ich mir das neue Kabinett anschaue, kommt wenig Freude auf. Horst Seehofer vielleicht. Der hat was. Aber sonst? Da ist doch niemand drunter, mit dem man in den Urlaub fahren würde …

Franz Josef Wagner schreibt seit 2001 in „Bild“ die wohl meist gelesene Kolumne. Manche hassen die „Post von Wagner“, manche lieben sie. Kalt lässt sie keinen.

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