TV-Duell : Diana gegen die Queen

Eine ARD-Dokumentation erzählt das Verhältnis von Diana und der Queen als Duell.

Markus Ehrenberg

Vielleicht fällt das heute nach dem „Tatort“ auf den ersten Blick gar nicht so auf, aber das Erste hat die Frage, was es in der Woche eins nach dem Abschied von „Sabine Christiansen“ Sonntagabend auf den Bildschirm bringen könnte, elegant gelöst. Zumindest, was die Haarfarbe betrifft. Die Königin der Herzen! Lady Di! Nach dem letzten Berliner Polittalk mit Sabine Christiansen und Horst Köhler das Duell „Diana gegen die Queen“ als Start einer ARD-Reihe über erbittert geführte Zweikämpfe der Geschichte.

Und fast zeitgleich zur neuen Diana-Biografie von Tina Brown ein weiterer Blick auf eine Frau mit Hauptschulabschluss, deren mysteriöser Unfalltod vor zehn Jahren samt grandiosem Begräbnis der trauernden Welt möglicherweise etwas über ihre eigenen Illusionen, Sehnsüchte und Empathiefähigkeiten erzählt hat, jedenfalls zwei Milliarden Menschen zum Weinen brachte, von Zentralafrika bis hoch nach Spitzbergen. Wenn davon nur vier Millionen heute Abend einschalten, hat die ARD schon mal vieles richtig gemacht.

Was man vom Autoren Michael Wech nur bedingt behaupten kann. Der fügt dem uralten Konflikt Schwiegermutter gegen Schwiegertochter mit dem Duell von Königin Elisabeth gegen Prinzessin Diana nichts Wesentliches hinzu. Die von der Queen eingefädelte Ehe mit Charles, dessen Affäre mit Camilla, die inszenierten Liebesbilder für die Medien, Diana als durchaus intrigenfähige Prinzessin und Queen Elisabeth als gefühlsarme Monarchin - diese Tatsachen sind nicht nur aus der Yellow Press bekannt. Wechs Verdienst ist es, seltene Zeitzeugen wie Charles Anson, Ex-Pressesprecher der Queen, Ken Wharfe, Dianas ehemaligen Leibwächter, oder deren Privatsekretär Patrick Jephson vor die Kamera geholt zu haben.

Und, siehe da, über die englische Monarchin lässt sich offenbar nicht viel Menschlichereres sagen als dass sie BBC-Journalistin Jennie Bond hat „erst einmal weinen sehen“, und zwar „bei der Außerdienststellung ihrer Yacht Britannia“ 1997. Selbst der ehemalige Pressesprecher der Königin, Michael Shea, bestätigt: „Dieser Verlust ist eine der größten Tragödien ihres Lebens.“ Möchte man mit so jemandem unter einem Dach wohnen? Ob Elisabeth über Dianas Tod geweint hat, wird auch in diesem mit Archivmaterial und nachgestellten Schlüsselszenen angereicherten Dokumentarfilm nicht überliefert. Genauso wenig wie eine Antwort auf die Frage, was an den Verschwörungs- und Mordtheorien hinsichtlich des Unfalls im Pariser Tunnel am 31. August 1997 dran ist.

Das hier kompilierte Material lässt zumindest erahnen, dass dem Königshaus Dianas Tun und Lassen, ihr Kampf gegen Aids und um die Gunst des Volkes auch nach der Scheidung vom Thronfolger und der Liason mit Dodi Al-Fayed eine unerträgliche Provokation gewesen sein müssen, ganz zu schweigen vom Enthüllungsbuch „Her True Story“, dem, so insinuiert der Film, „größten Verrat in rund 400 Jahren königliche Geschichte“.

Offenheit gegen Schlossmauern, Volksnähe gegen Noblesse, Gefühle gegen Würde, Moderne gegen Tradition, ein Generationenkonflikt – so arbeitet sich sich die Doku 45 Minuten am Duellhaftem der Aufstellung „Diana gegen die Queen“ ab, als handele es sich bei Schwiegermutter und Schwiegertochter um Protagonisten aus dem Western „12 Uhr mittags“. Irgendwann hat man dabei sogar „Sabine Christiansen“ vergessen, auch wenn man sich eine Runde von Ex-Privatsekretären, Leibwächtern, Freunden und Gegnern Dianas anlässlich des heutigen 46. Geburtstages der „Königin der Herzen“ unter der Kuppel an der Gedächtniskirche gut hätte vorstellen können. Wer danach nicht genug hat: RTL2 überträgt bis Mitternacht ein „Concert for Diana“.

„Duelle – Diana gegen die Queen“, ARD, 21 Uhr 45

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