TV-Film : Die Fremde im Zug

Ohne Halt von Berlin nach Frankfurt: Claudia Michelsen glänzt in einem ARD-Film als geheimnisvolle ICE-Reisende.

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Plötzlich verbunden: Henk (Jens Albinus) und Eva (Claudia Michelsen). Foto: HR
Plötzlich verbunden: Henk (Jens Albinus) und Eva (Claudia Michelsen). Foto: HRFoto: HR/Bettina Müller

Filme, die zum Teil in Zügen spielen, stellen eine Art Sub-Genre dar. Angefangen bei Alfred Hitchcocks, „Eine Dame verschwindet“, über Hitchcocks „Der unsichtbare Dritte“ bis hin zu den Agatha-Christie-Verfilmungen „16 Uhr 50 ab Paddington“ sowie „Mord im Orient-Express“. Ob sich Regisseurin und Autorin Petra K. Wagner von Genre hat inspirieren lassen, als sie das Drehbuch zu dem ARD-Fernsehfilm „Sprinter - Haltlos in die Nacht“ verfasste, über das zufällige Zusammentreffen zweier Menschen in einem ICE Sprinter, der von Berlin ohne Halt nach Frankfurt am Main durchfährt. Die Frau – einmal nennt sie sich Eva (Claudia Michelsen), wahrscheinlich ist das nicht ihr richtiger Name –, die diesen Sprinter nimmt, weiß das. Henk (Jens Albinus) weiß das allerdings nicht. Er wähnt sich in einem normalen ICE-Zug, der in Wolfsburg hält, dort, wo seine Frau schon auf ihn wartet. Schließlich haben sie heute ihren Hochzeitstag.

Da neben Eva noch ein Platz im Großraumwagen frei ist, setzt sich Henk neben sie. Henk hatte Eva zuvor im Bahnhof nicht gesehen. Aber Eva hat ihn gesehen. Auf diesen kleinen Details baut Petra K. Wagner einen Spannungsbogen auf, der sich auch eine Zeitlang hält. Wer ist diese mysteriöse Frau, die einem anderen Mann in dem Abteil vielsagende Blicke zuwirft und ihn verstohlen mit ihrem Handy fotografiert? Und ist Henk wirklich der treusorgende Ehemann und Vater zweier Kinder, als der er sich Eva gegenüber ausgibt?

Es fällt auf, dass Henk viel redet, viel von sich preisgibt. Eva schweigt. Als sie in der Main-Metropole ankommen, werden ihre Taschen geraubt. Außer Handys und etwas Bargeld haben sie nichts mehr. Es wird eine nächtliche Odyssee durch die Bankenstadt werden, sie landen in Hotel-Lobbys und Clubs, sie lachen, streiten, trinken, werden von dem jungen Taxifahrer Dennis (Johannes Allmayer) von einem Ende der Stadt ans andere gefahren – und bei alledem wird immer klarer, dass Eva einen gefährlichen Plan verfolgt. Doch schwächelt „Sprinter – Haltlos in die Nacht“ an seinen teils unglaubwürdigen Dialogen und seines am doch all zu naiven Ansatzes, so haltlos, wie sich dieser scheinbar ahnungslose Henk an Evas Seite hängt. Das ist, angesichts einiger schöner, intensiver Momente, die der aparten Claudia Michelsen zu verdanken sind, sehr schade.

„Sprinter – Haltlos in die Nacht“, ARD, Mittwoch, 20 Uhr 15

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