TV-Fußball-Rechte : Bundesliga, ferngesteuert?

Eine Studie hinterfragt das Engagement der Deutschen Telekom bei Live-Übertragungen aus der höchsten deutschen Spielklasse.

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Verflochten. Uli Hoeneß als Gast bei „Liga Total“, der Bundesliga-Sendung im IP-TV, die im Auftrag der Telekom von Constantin Sport Medien produziert wird. Foto: dpa Foto: picture alliance / dpa
Verflochten. Uli Hoeneß als Gast bei „Liga Total“, der Bundesliga-Sendung im IP-TV, die im Auftrag der Telekom von Constantin...Foto: picture alliance / dpa

Nur noch wenige Wochen. Mitte April will die Deutsche Fußball Liga (DFL) entscheiden, wo die Spiele der Fußball-Bundesliga ab der Saison 2013/2014 für vier Jahre zu sehen sein werden. Einer der wichtigsten Akteure im derzeit laufenden Bieterwettbewerb – neben ARD und Sky – wurde nun quasi abgestraft: die Deutsche Telekom und ihre Konstruktion, nach der sie im Bündnis mit der Münchner Produktionsfirma Constantin Medien die Bundesliga mit dem Produkt „Liga Total“ im Rahmen des IPTV-Angebots (Internet-Fernsehen) „Entertain“ vermarktet. Das Ganze sei „nicht rundfunkfähig“, besagt ein Gutachten des renommierten Wettbewerbs-Professors Franz Jürgen Säcker von der FU Berlin.

Bereits die bisherige Praxis, über die Constantin Medien die Liveübertragungsrechte laufen zu lassen, sei nicht rechtens, so Säcker in seinem Gutachten, das auch den Landesmedienanstalten vorliegen soll. „Die Erteilung der Sendelizenz für Constantin Medien war 2009 ein Ergebnis sorgfältiger Abwägung. Entscheidend war dabei, dass die Verantwortung für das Programm bei der Constantin liegt. Das haben sich die Medienanstalten seinerzeit zusichern lassen. Wenn sich im aktuellen Bieterverfahren das Volumen der Telekom-Sportrechte vervielfachen sollte, macht das in jedem Fall eine Neubewertung nötig“, sagt Thomas Fuchs, Vorsitzender der Kommission für Zulassung und Aufsicht der Medienanstalten (ZAK), dem Tagesspiegel.

Kern des Gutachtens soll laut „Süddeutscher Zeitung“ die Tatsache sein, dass die Telekom nach Einschätzung von Säcker immer noch ein vom Staat abhängiges Unternehmen ist, da die Bundesrepublik 31,7 Prozent der Anteile an dem Konzern halte. Faktisch könne der Bund über den Aufsichtsrat massiven Einfluss auf die Ausrichtung der Telekom nehmen. Damit sei der Konzern gar nicht in der Lage, eine Sendelizenz zu erwerben. Die verzwickte Sublizenzierung der Rechte von der Telekom an die Constantin nutze wenig, denn die Telekom sei allein technisch für die Verbreitung des Signals zuständig. Das Gutachten beschreibe im Einzelnen die enge Verflechtung bei der Vermarktung des „Liga Total“-Angebots und kommt zu dem Schluss, dass die Telekom „Liga Total“ fernsteuert. „Die Telekom geriert sich selber mittels Constantin Medien als ihr Hilfsorgan als Rundfunkveranstalter“, wird aus dem Gutachten zitiert. Dessen Urheber, der Experte Säcker, bestätigte am Montag den Wortlaut. Unklar ist noch, in wessen Auftrag die Studie erstellt wurde und wie wirkungsmächtig sie in ihrer Aussage sein könnte. Wie die DFL die Rechte vergibt, wird spätestens am 17. April nach der Mitgliederversammlung der Liga bekannt gegeben.

Fakt ist, laut Säcker: Die Staatsfreiheit des Rundfunks ist vom Grundgesetz vorgeschrieben, das gelte auch für Verflechtungen zwischen dem Staat und Rundfunkveranstaltern. Die Telekom selber gibt sich gelassen. „Unser Standpunkt ist seit Monaten und Jahren klar. Es ist bei der Lizenzierung damals alles rechtens gewesen, wie das auch jetzt der Fall ist“, sagt ein Sprecher der Deutschen Telekom am Montag. Man habe immer erklärt, nicht als Programmveranstalter auftreten zu wollen, auch nicht indirekt.Die Telekom wolle weiter um die TV-Übertragungsrechte an der Fußball-Bundesliga mitbieten.

Unbestätigten Berichten zufolge plant der Konzern, mehr als eine Milliarde Euro für die Bundesliga-Übertragungsrechte via Internet, Satellit und Kabel auszugeben. Das ist ein deutlich größeres Engagement als bisher, ein Signal auch an die Konkurrenz. Sollte nun die jüngste Studie des Wettbewerbsrechtlers bei den Medienhütern auf offene Ohren stoßen, könnte der Pay-TV-Anbieter Sky davon profitieren, für welchen der Erwerb der Rechte ohnehin von höherer Bedeutung zu sein scheint. Sky-Chef Brian Sullivan hatte im Februar eine Kooperation mit der Telekom nicht ausgeschlossen und den Telekommunikationsriesen zur Zusammenarbeit eingeladen, um offenbar ein Wettbieten zu verhindern.

Das sind nicht die besten Perspektiven für die Deutsche Telekom. Auch nicht für Johannes B. Kerner, der bei „Liga Total“ moderiert. Kerner hat gerade seine Anteile am Fernsehableger der Spiegel-Gruppe verkauft. Die Firma hatte seine erfolglose Magazin-Sendung auf Sat 1 produziert.

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