TV-Kritik "Adam sucht Eva" : Ohne Kleidung und Verstand

In der Nackt-Datingshow "Adam sucht Eva" werden die Zuschauer mit Gesprächen gequält, die klare Fälle für die Hall of Fame sinnentleerter Fernseh-Dialoge sind. Schon in den ersten Sekunden kommt es knüppeldick.

Richard Weber
Ein Screenshot des niederländischen Originals "Adam zkt. Eva".
Nackt wie Gott sie schuf. Ein typische Szene des niederländischen Originals "Adam zkt. Eva".Screenshot: Youtube

Wenn RTL eine total nackte Datingshow ins Programm nimmt, dürfen Gaffer und Voyeure Stielchenaugen bekommen und einen Puls weit über 180. RTL war mal die Fernsehanstalt, die uns prüden Deutschen Ende des letzten Jahrtausends „Tutti Frutti“ und „Eine Chance für die Liebe“ beschert hat. Jetzt haben die angeschlagenen Kölner nur noch die Kraft, ein Machwerk mit dem programmatischen Titel „Adam sucht Eva – Gestrandet im Paradies“ in die Zuschauerschlacht zu werfen. Sozusagen das letzte Aufgebot. Schon in den ersten Sekunden kommt es knüppeldick, schöngeistig und betulich. Auf einer winzigen Insel mit einer einsamen Palme gibt es Folgendes von Mark Twain: „In 20 Jahren wird du dich mehr ärgern über die Dinge, die du nicht getan hast, als über die, die du getan hast. Also wirf die Leinen los und segle fort aus deinem sicheren Hafen. Fange den Wind in deinen Segeln. Forsche. Träume. Entdecke.“

Ist es möglich, dass RTL alles vergessen hat, was RTL-Zuschauer sehen wollen? Hartes, geiles, nacktes Fleisch, keine erbaulichen Poesie-Sprüche. Wer geht in einen Porno und bewundert die Inneneinrichtung? Die Eva aus dem Titel heißt Ricarda, 23 und ist Medizinstudentin. Sie kommt auf einem windigem Floß daher. Man ist richtig froh, dass sie sich gleich die Kleider vom Leib reißt, bevor das Boot im Meer versinkt. Der nächste Insel-Gast: Adam alias Thomas, sportlich, kreativ und so ein Antimacho, dass er auch Frauen mit kleinen Brüsten toll findet. Auf der Insel Apari Toerau treffen die beiden, vom Off-Sprecher malerisch umschrieben „nackt wie Gott sie schuf“, aufeinander. Und jetzt wird’s total verdruckst und verklemmt. Die Kameramänner (hoffentlich durften sie bei dieser läppischen FKK-Orgie ihre Kleider anbehalten) vermeiden krampfhaft, zu viele Geschlechtsorgane zu zeigen. Nur in weiter Ferne sieht man etwas, das lustlos herumbaumelt. 9 Minuten lang neckisch-schelmische Inselerotik. Im Bett züchtiges Kuscheln. Und Ricarda entdeckt Penisfrüchte, gespielt ahnungslos und spontan. Geht es jetzt endlich los mit wilder, schmutziger Ekstase? Nein, die Langweile legt sich wie Mehltau über die beiden Nackedeis.

Hall of Fame der sinnentleerten Dialoge

Als Deus ex Machina erscheint ein zweiter Adam im Adamskostüm, namens Ricardo. Das Gespräch, als Ricarda Ricardo trifft, ist ein sicherer Fall für die Hall of Fame sinnentleerter Fernseh-Dialoge: „Oh! Ok! Das ist nicht mein bisheriger Adam.“ - „Ricarda“ - „Ricardo“ - „Wie geht’s dir? Alles gut?“ - „Ja und bei dir?“ - „Schön dich endlich zu treffen.“ - „Ich bin leider etwas baff. Irgendwie. Jetzt kommt hier noch so ein Adam dazu.“ - „Na ist doch schön oder nicht?“ - „Ich war eigentlich nur Muscheln sammeln“. Gescriptete Sendungen, leider nichts Neues. Billig in der Herstellung. Und die Macher sind nicht abhängig von Protagonisten, die vielleicht etwas Unpassendes in die Kamera plappern. Doch hier scheint einem vertrockneten und verhärmten Redakteur schon nach wenigen Sekunden jedes Sprachgefühl und jede Sprachfertigkeit verloren gegangen zu sein. So spricht niemand, nicht einmal Laienschauspieler in einem so hohlen und abgedroschenen Brust-und-Pimmel-Opus. Nach der Werbepause kommen gemalte Bilder als Liebesbeweis, eine geblasene Puhmuschel, die den Wettstreit beendet. Ricardas Entscheidung fällt auf Thomas, weil der doch immer so romantisch war. Dann noch ein Treffen, beide angezogen. Und schon ist diese Sendung, die nicht viel versprochen und selbst das nicht gehalten hat, zu Ende. Früher im Kino, da wurde unterm Dirndl gejodelt und Frau Wirtin blies gern Trompete. Bei RTL trötet die Muschel und das bisschen TV-Erotik versinkt im öden Sandstrand.

 

 

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