TV-Porträt : Die Chefin

Sie gilt als Musterschülerin und Medienprofi: Das Erste porträtiert „Die Kanzlerin – Angela Merkel“. Sogar Ehemann Joachim Sauer äußert sich vor der Kamera.

Kurt Sagatz
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Runde des Vertrauens: Die Frühkonferenz im Kanzleramt. Foto: ARDSWR-Pressestelle/Fotoredaktion

„Wer Angela Merkel unterschätzt, hat schon verloren.“ Mit diesem Satz von CSU-Chef Horst Seehofer haben die Autoren des ARD-Porträts „Die Kanzlerin – Angela Merkel“ gleich zu Beginn das erste Fazit gezogen. Denn wenn Peter Struck, Fraktionschef der SPD im Bundestag, sagt „Wir haben sie alle unterschätzt“, dann trifft diese selbstkritische Einschätzung nicht nur für seine Partei zu. Freilich ist keiner so grandios an Angela Merkel gescheitert wie ihr Kanzlervorgänger. In der TV-Elefantenrunde am Wahlabend 2005 sprach Gerhard Schröder ihr die Befähigung fürs Kanzleramt komplett ab, Wochen später musste er ihr doch zum Amtsantritt gratulieren.

Christian Thiels und Thomas Michel, die Autoren des Porträts, haben Merkel über Monate begleitet, im politischen Alltag, auf Auslandsreisen, im Wahlkampf. Auch Kindheit und Jugend in der Uckermark sowie ihre Zeit als Studentin und Wissenschaftlerin wurden untergebracht. Besonders beeindrucken die Bilder von ihrer jüngsten Afghanistan-Visite. Die Kanzlerin im blauen Parka vor einem Gedenkstein für die im Einsatz getöteten Soldaten. Aber auch die Frühkonferenz im Kanzleramt sagt viel aus über den Arbeitsstil der „Chefin“, die sich von ihren Vertrauten – darunter Verteidigungsminister Franz Josef Jung, Familienministerin Ursula von der Leyen und Bildungsministerin Annette Schavan – bereitwillig erzählen lässt, wo der Schuh drückt – ihr ganz persönliches Frühwarnsystem.

Angela Merkel hat gelernt, der Öffentlichkeit die richtigen Bilder zu präsentieren. Das macht es nicht nur innerparteilichen Kritikern schwer, die ihr politische Konturlosigkeit vorwerfen und bemängeln, dass sie kein Leitmotiv für ihre Amtszeit gefunden hat. Ein Satz der ARD-Ankündigung des Merkel-Porträts macht besonders neugierig: Den Autoren sei es erstmals gelungen, Merkels Ehemann Joachim Sauer ein paar Sätze vor der Kamera zu entlocken.

Die ARD kann mit ihrem politischen Programm zufrieden sein. Die Wahlarenen mit Kanzlerin Merkel und Herausforderer Frank-Walter Steinmeier haben eine ordentliche Quote eingefahren. 3,02 Millionen Zuschauer (Marktanteil 11,1 Prozent) schalteten um Dienstagabend das Townhall-Meeting mit Steinmeier ein, am Montag hatten 2,89 Millionen Zuschauer (10,8 Prozent) die Fragerunde mit Merkel verfolgt. Kurt Sagatz

„Die Kanzlerin – Angela Merkel“, ARD, 21 Uhr 45

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