TV-Rechte : „Goal!“ in China

Im Ausland wird die Fußball-Bundesliga immer beliebter – unklar bleibt weiterhin, was sie deutschen Sendern wert ist. Und was es mit der Internet-Sportschau auf sich hat.

von
Gern gesehen. Mit Stars wie Arjen Robben lässt sich die Bundesliga noch besser in andere Länder verkaufen. Foto: AFP
Gern gesehen. Mit Stars wie Arjen Robben lässt sich die Bundesliga noch besser in andere Länder verkaufen. Foto: AFPFoto: AFP

Nordkorea und Afghanistan – die fehlen noch auf der Landkarte. Ansonsten sieht die ganze Welt Fußball-Bundesliga im Fernsehen. „Wir sind die zurzeit am stärksten wachsende Liga“, sagt Christian Seifert, Vorsitzender der Geschäftsführung der Deutschen Fußball Liga (DFL), und verweist damit auf einen DFL-Geschäftsbereich, der in der Öffentlichkeit bei dem ganzen Gerede um teure Fernsehrechte und -pflichten, um das Für und Wider „Sportschau“; kurz bei der Spekulation darüber, wo und wann die Bundesliga hierzulande bald zu sehen ist, ein bisschen zu kurz kommt.

Dabei betreibt der Ligaverband schon seit fünf Jahren eine forcierte Auslandsvermarktung. Diese Woche zog die DFL eine positive Bilanz. Rund 2,25 Milliarden Menschen in 208 Ländern können die Bundesliga sehen. Während in der laufenden Saison 40 Millionen Euro und damit laut Seifert 15 Prozent mehr als ursprünglich geplant an die Liga ausgekehrt werden, liegen die Auslandserlöse der Vermarktungstochter DFL Sports Enterprises in der Saison 2011/12 erstmals über 50 Millionen Euro.

Der Verband begreift sich dabei immer mehr auch als ein Mediensport-, vielleicht sogar Unterhaltungsunternehmen, was diese Woche bei der Präsentation der Zahlen zur Auslandsvermarktung in der Berliner Firma „Fernsehwerft“ deutlich wurde. Hier, mitten in der Berliner Medienmeile, lässt die DFL das wöchentliche Magazin „Goal!“ produzieren, das Illustratives/Neues aus der Welt der 36 Bundesligisten in die englisch- und spanischsprachige Welt hinausträgt.

Weltweit wird die Bundesliga immer beliebter; wie beliebt, konkret, wie viel Wert die Liga deutschen Fernsehsendern ist, wird sich in den nächsten Wochen und Monaten zeigen. Ende dieses Jahres soll seitens der DFL die Ausschreibung für die Vergabe der Fernsehrechte ab der Saison 2013/2014 starten. Derzeit wird in Gesprächen mit dem Kartellamt austariert, welche Modelle überhaupt sinnvoll auf den Weg geschickt werden können, um aus dem Verkauf von Pay-TV und Free-TV-Rechten möglichst hohe Erlöse zu erzielen (zurzeit sind das rund 412 Millionen Euro). Zur Erinnerung: Bei der Vergabe 2008 stoppte das Kartellamt den Verkauf der TV-Rechte. Es verlangte, dass eine Zusammenfassung des Spieltags samstags vor 20 Uhr im frei empfangbaren Fernsehen zu sehen sein muss. Das wurde von vielen als „Lex Sportschau“ interpretiert, senkte mangels Konkurrenz jedenfalls den Preis, den die ARD an die DFL für Highlight-Berichterstattung im Free-TV zu zahlen hatte.

Das soll nun anders werden. Eine Art Internet-„Sportschau“, eine Highlight-Berichterstattung im weltweiten Netz statt im Fernsehen – das könnte, hört man sich um, die Zukunft für die Fußball-Bundesliga sein. Mit einem derartigen Modellvorschlag will die DFL den Wettbewerb bei der Rechtevermarktung anheizen. Internetunternehmen könnten die ARD ablösen und über ihre Web-Kanäle als Erste Samstags ab 19 Uhr eine Zusammenfassung des Ligageschehens anbieten. Als Produzent einer solchen Show wäre auch die DFL selbst denkbar, die ja schon Eigenformate herstellt. Für die milliardenschweren Unternehmen sollten die derzeitigen Rechtekosten der ARD, die bei rund 100 Millionen Euro liegen, kein Problem sein. Wenn Konzerne wie Google oder Yahoo um die Bundesligarechte mitbieten sollten, dürften sich nach Prognosen von Sponsoring-Experten die TV-Rechtesummen verdoppeln.

Und einen weiteren, alt bekannten Mitbieter gibt es wohl auch. Es verdichten sich die Anzeichen, dass die Pro-SiebenSat-1-Gruppe nach dem Verlust der Champions League an das ZDF an Fußball-Rechten à la Bundesliga und Pokal für Sat 1 interessiert ist. Der DFB-Pokal ab der Saison 2012/2013 wird vom Deutschen Fußball-Bund – neben den Länderspielen – in diesem Jahr zum ersten Mal separat vermarktet.Markus Ehrenberg

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben