TV-Rechte : Rad oder „Rote Rosen“?

Tour de France 2009: Die ARD schwankt zwischen Ja und Nein, das ZDF will unbedingt den Rad-Klassiker unbedingt übertragen. Immerhin könnte Rekord-Toursieger Lance Armstrong sein Comeback geben - das wäre der Sport-Hingucker des Jahres.

Joachim Huber
Armstrong
Lance Armstrong will es nicht bei sieben Tour-Siegen belassen. -Foto: dpa

Auch 2009 wird die Tour de France wieder stattfinden. Das ist sicher. Unsicher ist, ob die Zuschauer in Deutschland das Radsportereignis am Bildschirm mitverfolgen können. Das ist keine Frage der Rechte. Die European Broadcasting Union (EBU) hat mit dem Veranstalter, der Amaury Sports Organisation (ASO), längst einen Vertrag abgeschlossen. Damit sind die Übertragungsrechte faktisch im Besitz von ARD und ZDF, die beide Mitglieder der EBU sind. Für die Tour-Rechte 2009 müssten ARD und ZDF jeweils 3,5 Millionen Euro bezahlen, heißt es in ARD-Kreisen. Das ist kein Pappenstiel, trotzdem könnten ARD und ZDF unterschiedlich mit den Rechten umgehen.

Das Zweite hat sich nach Aussage von Chefredakteur Nikolaus Brender grundsätzlich auf die Übertragung der Tour festgelegt. Nach bisherigem Brauch wechseln sich ARD und ZDF bei den Liveberichten von Tag zu Tag ab. Die ARD aber zögert. Zwar haben sich die Sportchefs der Sender mit knapper Mehrheit für eine ARD-Tour 2009 ausgesprochen, bei den Intendanten steht die Zustimmung noch aus. „Es gibt Widerständlerinnen“, heißt es. Spätestens bei der nächsten Intendanten-Tagung am 16. Oktober soll eine Entscheidung fallen.

Zum einen gilt die Tour de France wie der gesamte Radsport nach wie vor als Dopingfalle. Das war dem Ersten in den Jan-Ullrich-Jahren egal, mittlerweile will das Programm gleichermaßen berichten wie aufklären. Dann sind da die gewünschten Kürzungen der Sendezeitverpflichtungen und Ausstiegsklauseln bei Dopingfällen – und da sind gefallene Quoten für das Fernsehprogramm Tour, für den Marktführer ARD ein wesentliches Argument. 2009 ist anders als 2008 frei von Olympischen Spielen und weiteren attraktiven Großereignissen. Automatisch rückte die gesamte Fernsehkonkurrenz enger zusammen. Das Erste ist mit seiner Soft-Orgie aus „Rote Rosen“ und „Sturm der Liebe“ so erfolgreich, wie es das mit der Tour de France nicht sein kann. Mit dem Radsport verliert das Erste an Zuspruch, ein Faktum, das dem marktführerisch denkenden Marktführer zu denken gibt.

Und das ZDF? Denkt natürlich auch in Quote, trotzdem wird das Zweite, das im Vergleich mit der ARD energischer haushalten muss, es sich nicht leisten wollen, 3,5 Millionen abzuschreiben, statt das Geld in Programm umzusetzen. Wird die ARD auf ihren Übertragungspart verzichten wollen, dann könnte sich das ZDF herausgefordert fühlen, das drohende Paradox – nur jeden zweiten Tag Tour-Bilder im deutschen Fernsehen – zu überwinden: Das Zweite zahlt die 3,5 Millionen (oder weniger) ans Erste und wird 2009 zum Tour-Sender. Derweil die ARD mit den Soaps bei den Zuschauern abräumt. Da droht ein Konflikt zwischen dem Ersten und dem Zweiten.

Und als wäre die Entscheidung zwischen dem Pro und dem Contra einer TV- Tour nicht schon hart genug, kündigt der siebenfache Tour-Gewinner Lance Armstrong sein Comeback an. Ohne Zweifel würde ein Start des Amerikaners jene (Doping-)Vergangenheit der Tour heraufholen, die die Veranstalter und die Sender hinter sich lassen wollten. Andererseits: Wäre Wiedergänger Armstrong nicht der Hingucker des Sportjahres 2009?

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