TV-Serien : Breaking Malicioso - skurrile Adaptionen

"Breaking Bad" in Kolumbien, "How I Met Your Mother" in einer russischen Bar oder "Friends" in chinesischem WG-Setting: Erfolgreiche TV-Serien werden weltweit vermarktet und neu erfunden. Oder einfach nur schlecht geklaut.

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Walter Blanco (Diego Trujillo) im kolumbischen "Breaking Bad"-Remake "Metastasis"
Walter Blanco (Diego Trujillo) im kolumbischen "Breaking Bad"-Remake "Metastasis"Foto: Promo

Was für eine böse Folge aus der dritten Staffel: Homer Simpson fährt Sohnemann Bart auf dessen erstes Rockkonzert. Es gibt Bier, Hotdogs und leicht bekleidete Mädchen. Zu allem Überfluss betet die Band auf der Bühne den Teufel an. Für islamische Zensoren eigentlich harte Arbeit – doch wer die Folge auf Arabisch schaut, wird von Hotdog bis Teufel („Ya Ifrit!“) alles wiederfinden. Allein die Szene, in der Homer Simpson in seine Jackentasche greift, weil da doch noch eine Dose Bier sein müsse ist – schnapp – um 20 Sekunden kürzer. Im Original wird Homer fündig, in der arabischen Adaption geht der Griff ins Leere.

2005 hatte der emiratische Sender MBC die erfolgreiche – und uramerikanische – Zeichentrickserie „Die Simpsons“ ins Programm aufgenommen. Die Empörung war weltweit groß: Eine islamisch-korrekte Neudeutung ohne „Moe’s Taverne“ oder mit einer verschleierten Marge? Wie die herrliche Kleinbürgersatire als Halal-Version ihren Witz behalten sollte, konnte sich keiner vorstellen. Auch die arabischen Zuschauer nicht: Der Serienverschnitt floppte, nur 34 von zunächst 52 übersetzten Folgen wurden zur Primetime ausgestrahlt. Dann wurde „Asch-Schamschun“ eingestellt.

Der Misserfolg von MBC ist ein Lehrstück für den internationalen TV-Markt. Denn es gilt: Wenn du adaptierst, dann richtig. Denn längst werden erfolgreiche TV-Serien global vermarktet – und müssen dem heimischen Markt angepasst werden, ohne ihren Charakter zu verlieren. So holte sich 20th Century Fox die Rechte für „Homeland“ von der preisgekrönten israelischen Serie „HaTufim“. Aber aus dem israelisch-palästinensischen Plot wurde ein Nervenstück aus dem Inneren der CIA, ebenfalls mehrfach preisgekrönt. Was für „HaTufim“ gezahlt wurde, ist nicht bekannt. Aber Produktionsfirmen setzen längst auf den globalen Verkauf: Eine erfolgreiche Serie kann laut Insidern gut 50 Millionen Dollar kosten. Nicht selten wird daher geräubert, so gut es geht.

"Stromberg" war von der BBC geklaut - und musste nachbessern

Pro Sieben ließ sich 2004 von Drehbuchhumorist Ralf Husmann die britische Bürosatire „The Office“ zu „Stromberg“ ummöblieren. Eine Nähe zur BBC-Produktion stritt der Sender zunächst jedoch ab. Als ein Rechtsstreit drohte – Gemeinsamkeiten gab es von Bernd Strombergs fiesem Bärtchen bis hin zu seinen altklugen Sprüchen – gab Pro Sieben klein bei. Ab der zweiten Staffel tauchte am Ende der Folge ein Hinweis auf die BBC als Ideenschmiede auf. Ob es eine Abfindung gab, blieb geheim. Aber die BBC betonte, sie sei „höchst zufrieden“ über die Einigung gewesen.

Wo Deutschland zaghaft ist, kennen andere Länder kaum Grenzen: Ganze Serien werden übernommen, vom Charakter über das Set bis zur Handlung – und dann für die Geschmäcker des heimischen Marktes in den Mixer gesteckt. In Kolumbien läuft seit März 2013 „Metastasis“, ein Eins-zu-Eins-Nachbau von „Breaking Bad“. Einziger Unterschied: Chemielehrer und Drogenboss Walter White heißt hier Walter Blanco. Und in Indien wurde die Echtzeit-Action „24“ ziemlich authentisch nachgedreht, allerdings mit Bollywood-Helden.

Weißrussland hat "The Big Bang Theory" eins zu eins geklaut - aber konnte nicht verklagt werden

Die eifrigsten Nachmacher sitzen in Russland. Durchschnittlich 40 Adaptionen, vor allem US-amerikanischer Serien, laufen hier laut „Hollywood Reporter“ jährlich an. „Eine schrecklich nette Familie“, „Prison Break“ oder „Die Nanny“ wurden identisch nachgedreht, ebenso „How I Met Your Mother“. Aber Barney Stinson sieht hier so gruselig aus, dass seine Flirtkünste um einiges besser sein müssen als im US-Original. All die russischen Serien haben sich die Umsetzungsrechte gekauft – anders aber verlief es mit der weißrussischen Auflage von „The Big Bang Theory“.

Im US-Original stolpern vier nerdige Wissenschaftler durch ihr Arbeits- und Liebesleben. Das ist bis zum Einzug der hübschen Nachbarin Penny eher theoretischer Natur. In Weißrussland heißt die Serie auch „The Theorists“. Zwar wirkt der erste Auftritt von Penny wie der Auftakt zu einem Porno – aber sonst ist von Kostümierung bis Kulisse alles gleich. Einen Rechtsstreit konnte Serienerfinder Chuck Lorre trotzdem nicht starten: Die TV-Firma gehörte der weißrussischen Regierung des Autokraten Lukaschenko. Allerdings löste sich das Problem von selbst. Als die Darsteller erfuhren, dass sie in einer geklauten Serie mitspielten, beendeten sie solidarisch ihr Engagement.

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