TV-Show : ZDF sucht Deutschlands Super-Kanzler

Das ZDF hat sich die Rechte an dem TV-Format "The Next Great Leader" gesichert. Eine weitere Casting-Show. Diesmal begibt sich eine Jury auf die Suche nach begabten, jungen Nachwuchspolitikern. Der Mainzer Sender schlägt damit gleich zwei Fliegen mit einer Klappe.

Bertram Küster

Dass Politiker auch schauspielern können müssen, ist bekannt. Auch daran, dass Schauspieler gelegentlich in die Politik gehen, hat man sich längst gewöhnt - Reagan und Schwarzenegger lassen grüßen. Aber kann man aus einem Nobody in kürzester Zeit einen mit allen Wassern gewaschenen Politiker stricken? Einen Mark Matlock der Sozialdemokratie oder einen liberalen Daniel Küblböck? In Kanada hat die Casting-Show "Canada's Next Great Prime Minister" genau das im vergangenen Jahr bereits versucht. Die Show des Senders CBC kam beim Publikum gut an. Derzeit läuft die zweite Staffel. Jetzt will sich auch das ZDF auf die Suche nach begabten Nachwuchspolitikern begeben.

Der Mainzer Sender sicherte sich die Rechte an dem Reality-Format, in dem "neue, unverbrauchte politische Hoffnungsträger" gesucht werden. In welcher Form und wann das Konzept umgesetzt werden soll, wurde zunächst noch nicht bekannt. Das Konzept der Show sieht vor, dass sich junge Menschen im Alter von 18 bis 25 Jahren mit einer drei bis fünf Minuten langen Videobotschaft an ihre "Wähler" wenden können. Aus den zahlreichen Bewerbungen wählt eine Jury die besten 25 aus, wobei originelle Ideen und überzeugender Vortrag entscheidend sein sollen.

Politik oder Entertainment?

Im Grunde keine schlechte Idee: Statt Bohlens Dauerberieselung durch immer gleiche Popsongs oder Heidi Klums Heulsusen- und Zicken-Camp stehen dann endlich wieder politische Grundsatz-Fragen auf dem Programm. Und so clever: Das Format kombiniert den Grundversorgungsauftrag der politischen Bildung mit massentauglichem Quoten-TV und schlägt so zwei Fliegen mit einer Klappe.

In der kanadischen Show lief das Finale ab wie ein politische TV-Debatte. Der Moderator und die Jury stellen den vier verbliebenen Kandidaten zwei Stunden lang Fragen zu aktuellen politischen Themen. Gefragt ist dann ein gutes Briefing, ein eloquentes Auftreten und - natürlich - Glaubwürdigkeit. Ganz wie bei den großen Vorbildern.

Und das ist auch das Manko der Sendung. Die Kandidaten bleiben Imitatoren. Die Teilnehmer in Kanada brachten zwar ihre eigenen Positionen mit in den Ring - doch letztlich war es enttäuschend zu sehen, wie sehr sich der Nachwuchs auf die gängige Politkersprache und -Geste verlässt. In Videos präsentieren sich die Kandidaten als die gleichen, langweiligen Selbstdarsteller, die uns wöchentlich bei Anne Will und Frank Plasberg begegnen. Und statt authentischer Politik von Basis-Politikern sind dieselben, abgegriffenen Worthülsen zu hören, die Politiker eben genau so jeden Tag in irgendwelche Mikrofone sprechen. So war es jedenfalls in Kanada. Aber wer weiß. Vielleicht wird im ZDF ja alles anders, und das öffentlich-rechtliche Fernsehen schickt hierzulande Kandidaten vor die Kamera, die sie selbst sind und auch etwas zu sagen haben.

Übrigens: Der Preis für den nächsten Top-Politiker ist laut Konzept nicht etwa ein Mandat bei den nächsten Kommunalwahlen oder eine schlagkräftige Rede im Parlament, sondern 50.000 kanadische Dollar. Und auch das ist irgendwie bezeichnend.

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