TV-Talk "Anne Will" zu Donald Trump : Zuhören ist manchmal schrecklich genug

Ob ein US-Präsident Donald Trump die Welt verändert? Das fragte Gastgeberin Anne Will ihre Talkgäste. Klare Antworten gab es nicht, aber viel Spekulation.

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Talkgastgeberin Anne Will
Talkgastgeberin Anne WillFoto: dpa

Auf Twitter kursierte unlängst der Spruch "Ich folge Trump hier nur, damit ich genügend Zeit habe, mich mit Bier im Keller zu verschanzen, falls er 'Ooops' schreibt". Auch abseits von bombensicheren Keller-Witzen verbinden viele Menschen mit dem neuen US-Präsidenten vor allem Unberechenbarkeit. Deshalb nahm sich auch Anne Will des Themas an. "Trump im Amt - verändert das die Weltordung?" lautete ihre Talk-Frage.

Die gute Nachricht vorab: Es steht noch nicht fest. Viele hoffen darauf, dass sich der Präsident Donald Trump deutlich vom rüpelhaften, dauer-twitternden Wahlkämpfer Donald Trump unterscheiden wird.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen ist sich da allerdings nicht so sicher. Sie bemerkt an Trump einen Hang zum permanenten Regeln brechen und Dinge-schlecht-reden, der sich vermutlich fortsetzen wird. Auch Günter Verheugen, ehemaliger Vizepräsident der Europäischen Kommission, warnte vor Trump - man müsse ihn "bitterernst nehmen".

Historiker Michael Wolffsohn zeigte sich ebenfalls nicht angetan von Trumps Schlachtruf "Buy american, hire american" - also dem Aufruf, nur amerikanische Produkte zu kaufen und US-Bürger einzustellen. "Nationalismen sind mir persönlich zutiefst zuwider", so Wolffsohn - sein Fazit, immerhin: "Trump ist ein ungebildeter Mensch".

Konkretes fehlt

Dummheit ist aber bekanntlich nicht strafbar, weder bei einem Präsidenten selbst, noch bei seinen Wählern. Ralph Freund, ein deutscher Unterstützer der Republikaner, betonte, gerade die ländliche US-Bevölkerung habe Trump gewählt - nicht das Establishment. Das sei zu respektieren. Verheugen folgerte daraus, dass - gefühlte - "Opfer der Globalisierung" ein zunehmend internationales Phänomen seien, das Trump in die Hände gespielt habe.

Das wollte Dieter Kempf, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie, nicht stehen lassen: "Wir leben im 21. Jahrhundert. Trump hat die globalisierte Wirtschaft nicht verstanden".

Es folgte ein ermüdender Ausflug in die Gesetze der Autoindustrie, bei dem über Strafzölle diskutiert wurde, die Trump angedroht hatte. Ob er sie wirklich umsetzt, ist derzeit noch unklar; von der Leyen betonte, auch "der Rest der Welt stehe nicht still", sobald es um wichtige wirtschaftliche Beziehungen gehe. Die Frage ist nur, ob Trump vom Rest der Welt überhaupt groß etwas wissen will. Sein Versprechen "America first" und seine ablehnende Haltung gegenüber Europa und etwa der Nato sprechen eine andere Sprache.

"Europa ist heute für die USA weniger wichtig, als es einmal war", so Historiker Wolffsohn. Was das konkret für die Ausrichtung von Trumps Politik bedeutet, musste auch er offen lassen. Republikaner Ralph Freund bemängelte daher die hohe Spekulationsdichte der Talkgäste über Trump, aber BDI-Präsident Kempf fing ihn schnell wieder ein: "Wir können Trump zuhören. Und das ist manchmal schrecklich genug."

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Millionen in aller Welt gegen Trump auf der Straße
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