TV-Talk : Jauchs irre langweilige Transparenz-Debatte

Günther Jauch spricht mit seinen Gästen über den "gläsernen Politiker". Sein Auftritt erinnert an den der deutschen Nationalmannschaft gegen Schweden: Der Mann ist sich zu sicher, er weiß um seine Talente, er ahnt, dass er es könnte. Es wird bloß Zeit, dass er es auch mal zeigt.

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Ist der Sonntagabend zu groß für Günther Jauch? Foto: dpa
Ist der Sonntagabend zu groß für Günther Jauch?Foto: dpa

Man will ja nun wirklich nie mit anderen Fernsehkritikern einer Meinung sein, vor allem nicht mit denen, die weder Ahnung vom Fernsehen haben noch von der Kritik, aber die Einschätzung der Kollegen zu der Günther-Jauch-Sendung vom vorvergangenen Sonntag war korrekt. Es war die Kachelmann-Sendung, es war jene Stunde, in der ein ehemaliger „Bild“-Chefredakteur in einer Art und Weise über und mit dem von einem Gericht freigesprochenen Jörg Kachelmann reden konnte, wie man das im Fernsehen selten sieht. Ebenso selten sah man einen so schlecht vorbereiteten, desinteressierten, überforderten Moderator wie Günther Jauch, der etwas geschehen ließ, was nicht geschehen durfte – und natürlich wurde nach der Sendung nicht über Kachelmann gesprochen, sondern über Jauch, darüber, ob so eine Talkshow nicht doch eine Nummer zu groß ist für den Mann. Wie war er also eine Woche danach?

Thema der Sendung: Total transparent – wollen wir den gläsernen Politiker? Ja. Kann man machen. Gäste: Andrea Nahles, Jakob Augstein, Michael Glos, Bernd Schlömer, Hans Rudolf Wöhrl. Mhm. Dritte-Liga-Gäste. Bedeutet: Ein eher langweiliges Thema und keine Gegner sollten eigentlich reichen, um Günther Jauch aus der Schusslinie von all jenen zu nehmen, die ihn gerade wegdiskutieren wollen. Hat es gereicht?

Na ja, es hätte vielleicht reichen können, wenn die Sendung nicht so irre langweilig gewesen wäre. Warum eine einstündige Talkshow am Ende langweilig ist, hängt von vielem ab – vom Thema, von den Gästen und natürlich auch vom Moderator, und vielleicht kann man sich darauf einigen, dass Günther Jauch mit dieser Sendung einmal tief Luft geholt hat – damit die nächste dann besser wird. Jedenfalls schien sich Jauch diesmal genau so zu langweilen wie die Zuschauer, aber es wäre sein Job gegen diese Langeweile anzukämpfen: wenn SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles und Piratenpartei-Chef Bernd Schlömer zu Beginn ihre Einkünfte offen legen, dann schaltet man aus Desinteresse schon mal gerne um; wenn dann allerdings „Freitag“-Herausgeber Jakob Augstein, leicht gehässig, anmerkt, Jauchs Eingangsfrage sei „fehlgeleitet“, dann zeugt das doch von mangelndem Respekt gegenüber dem Gastgeber. Wenn Augstein die Frage nicht passt, muss er ja nicht in eine Talkshow gehen – gerade ihn muss man ja nicht in ein Fernsehstudio prügeln.

Es passte aber zu einer in weiten Teilen schlecht gelaunten Runde, der das Feuer fehlte – Möglichkeiten zum Nachsetzen wurden Jauch kaum gegeben, vielleicht hätte er (auch als Revanche) etwas sagen sollen, als Augstein England das „Mutterland der Demokratie“ nannte, was als Aussage mindestens fragwürdig ist. Vielleicht brach Jauch auch zu früh ab, als er CSU-Politiker Michael Glos in Verlegenheit bringen wollte und ihn konfrontierte mit seinem Engagement in Sachen Imageaufwertung für Baku, Hauptstadt von Aserbaidschan, jenem Land also, das in der Rangliste der Pressefreiheit auf Platz 152 steht. Glos spielte es herunter, Jauch setzte nicht nach, Ende der Diskussion.

Wobei Diskussion ein großes Wort ist: Es ging dann noch um den Einfluss von Journalisten und um dies und das, und manchmal sagte auch Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl was, der wieder einmal die Rolle des einen Gastes zu viel einnahm – vielleicht käme Jauch, vielleicht kämen alle anderen, besser zurecht, wenn in so einer Talkshow nur vier sitzen würden, anstatt immer fünf. Apropos vier: Zuweilen erinnerte Günther Jauch an den Auftritt der deutschen Nationalmannschaft gegen Schweden: Der Mann ist sich zu sicher, er weiß um seine Talente, er ahnt, dass er es könnte. Theoretisch. Im Prinzip. Es wird Zeit, dass er es auch mal zeigt.

Aber dass jetzt keiner schreibt, dass es das jetzt war mit der politischen Talkshow, dass das keiner könne. Die beste politische Talkshow der vergangenen Woche lieferte Benjamin von Stuckrad-Barre ab, allerdings in der Sendung von Markus Lanz, wo er zu Gast war. Stuckrad-Barre brauchte zehn Minuten mit Edmund Stoiber und Gertrud Höhler für Aufklärung, Einordnung und Demaskierung. Keine Ahnung, was der Mann in Zukunft am Sonntagabend so vorhat. In der Zwischenzeit warten wir auf den 11. November. Auf, ganz recht, Stefan Raab.

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