Twittern : „140 Zeichen? Ein Segen!“

Warum Kurznachrichten so toll sind - Comedian und RBB-Moderator Michael Kessler über Twittern im Fernsehen, Nacht-Taxen und Promi-Flunkereien.

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Twittert gern. Michael KesslerFoto. RBB

Herr Kessler, was bedeutet für Sie Twitter? Eine Antwort in 140 Zeichen bitte.

Zwitschern macht Spaß und ist eine tolle Alternative zu seitenlangen Blogs und Flash-verseuchten Websites. Puh, 106 Zeichen.

Wie kamen Sie zum Twittern?

Aus Neugier. Beim Surfen stieß ich auf einen Artikel über Ashton Kutcher und Twitter. Mich reizte der ungefilterte Kontakt zum Zuschauer, für den ich meinen Beruf ja ausübe. Leider ist die Beziehung zwischen den Künstlern beziehungsweise Medien und dem Publikum oft unterbrochen. Durch Twitter bekomme ich ein direktes Feedback vom Sofa.

Sie gehören offenbar zu den wenigen deutschen Prominenten, die diesen Microblogging-Dienst persönlich nutzen.

Ich gehöre zu den wenigen Promis, die wirklich selber twittern und nicht twittern lassen. Das bin ich meinen Followern bei den vielen Flunkereien in den Medien schuldig.

Was bringt das für die „Berliner Nacht Taxe“, Ihre rollende Talkshow im RBB?

Twitter inspirierte mich, mit der Nacht-Taxe neue Wege zu gehen, Richtung Interaktivität. Wir versuchen Fernsehen und Internet zu verbinden. Twitterern geben wir die Möglichkeit mitzufahren. Wir planen zusätzlich einen Live-Stream während der Dreharbeiten.

Wie reagiert Ihr Publikum, Ihre „Follower“ auf das, was Sie schreiben?

Inzwischen wissen meine Follower, dass ich es wirklich bin. Ich habe die ersten „Switch Reloaded“-Folgen live getwittert, den Fans Fragen zur Sendung beantwortet, Lob und Kritik entgegengenommen. Die Follower sind unheimlich interessiert, durchweg fair und freundlich.

Machen Sie auch privat, zu Hause weiter?

Süchtig bin ich nicht. Wenn ich Zeit und Lust habe, twittere ich. Dabei geht es aber immer um meinen Beruf, um Infos zu den Sendungen und um die Fragen der Fans. Bei mittlerweile fast 2 000 Followern kann ich aber nicht jede Bemerkung kommentieren.

Sollten Gottschalk, Kerner, Beckmann & Co. während ihrer Shows auch twittern ?

Wetten, dass die Twitter gar nicht kennen? Das muss jeder für sich entscheiden. Mir geht es nicht darum, junge Zuschauer zu gewinnen. Mir geht es um Kommunikation. Die Zukunft liegt im Internet. Mich interessiert ob sich eine Verbindung zum Fernsehen herstellen lässt.

Wird diese ganze Twitterei nicht überschätzt, von wegen neuer Informationskanal, Obama-Wahlkampf und so?

Jeden Tag sehe, lese und höre ich „sinnlos-unnützes Zeug“ im Fernsehen, in der Zeitung und im Radio. Da wäre oft eine Begrenzung auf 140 Zeichen ein wahrer Segen. Für Twitter gilt dieselbe Skepsis, die man gegenüber allen Medien haben sollte. Und für Twitter-Vögel gilt: „Flieg nicht zu hoch, mein kleiner Freund!“

Das Interview führte

Markus Ehrenberg.

Michael Kessler, 41,

der Comedian („Berliner Nacht-Taxe“, RBB, Sonntag, 22 Uhr 30, „Switch Reloaded“, Pro 7) setzt aufs Twittern, wo per SMS-Dienst Kurztexte versendet werden

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