Übernahme : Der "Spiegel“ sieht rot

Eine Beteiligung des Nachrichtenmagazins an der defizitären Financial Times Deutschland“ wird immer unwahrscheinlicher.

Sonja Pohlmann

Es scheint dabei zu bleiben: Rot und Rosa passen nicht zusammen – zumindest, wenn es um den „Spiegel“ und die „Financial Times Deutschland“ (FTD) geht. Denn als gestern Vertreter der Mitarbeiter KG des Spiegel-Verlags zusammenkamen, um erneut über einen möglichen Einstieg beim lachsfarbenen Wirtschaftsblatt zu beraten, zeichnete sich ein Nein ab. Allerdings sind es nicht die Gesetze der Farbenlehre, die die Gesellschafter abschrecken, sondern die wirtschaftliche Situation der defizitären Zeitung. Auf etwa acht Millionen Euro wird sich der Verlust der „FTD“ in diesem Jahr vermutlich belaufen. Einen solchen Klotz will sich die Mitarbeiter KG, die 50,5 Prozent des „Spiegel“ besitzt, nicht ans Bein binden. Bleibt es bei diesem Nein, wird Geschäftsführer Mario Frank ein dicker Strich durch seine Rechnung gemacht.

Frank ist seit Anfang des Jahres im Amt, die Beteiligung an der „FTD“ sollte ein großer Coup werden. Mindestens 50 Prozent der „FTD“ wollte er übernehmen. Bislang gehören sie noch der britischen Mediengruppe Pearson. Sie hatte die „FTD“ 2000 als Ableger ihres Blattes „Financial Times“ zusammen mit dem Hamburger Verlag Gruner und Jahr („Stern“, „Brigitte“) gegründet. Seither kommt die „FTD“ aus den roten Zahlen nicht heraus und deshalb will Pearson seine Anteile jetzt so schnell wie möglich verkaufen.

Gruner und Jahr (G+J) als Eigentümer der anderen 50 Prozent hätte den Einstieg des finanzstarken Spiegel-Verlags favorisiert, zumal G+J mit 25,5 Prozent am „Spiegel“ beteiligt ist. Doch als Frank am vergangenen Dienstag vor der Mitarbeiter KG für seine Pläne warb, stieß er auf Ablehnung. Frank versprach sich vom „FTD“-Einstieg vor allem Synergien im Online-Bereich. Doch das Argument konnte die Mitarbeiter KG nicht überzeugen. Ihnen fehlte ein konkretes Konzept dafür, wie Frank das verlustreiche Blatt in die Gewinnzone bringen will. Außerdem befürchten viele Mitarbeiter, dass der „Spiegel“ bei einer FTD-Beteiligung in zu große Abhängigkeit von G+J geraten könnte. Weder Vertreter der Gesellschafter noch Frank waren gestern für eine Stellungnahme zu erreichen.

Für die „FTD“ bleiben nun zwei Möglichkeiten: Entweder übernimmt ein anderes Verlagshaus Pearsons Anteile. Oder G+J verleibt sich die „FTD“ komplett ein. „Wir sind zufrieden mit der Entwicklung der FTD und sie wird deshalb auch in Zukunft zu unserem Portfolio gehören“, sagte Sprecher Andreas Knaut. Wie groß dieser Anteil künftig sein wird, wollte er jedoch nicht bekannt geben. Für die Mitarbeiter der „FTD“ muss die Lage indes deprimierend sein. Während die Verlagshäuser bei der zum Verkauf stehenden „Süddeutschen Zeitung“ Schlange stehen, scheint das Wirtschaftsblatt aus Hamburg kein Verkaufsschlager zu werden. Sonja Pohlmann

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