Ungleichbehandlung in Film und TV : Wo sind eigentlich die Regisseurinnen?

Eine Studie hat die ungleiche Behandlung männlicher und weiblicher Regisseure in Europa untersucht. Frauen nehmen demnach nur selten auf den Regiestühlen Platz.

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Frauen sind unter den Regisseuren die Minderheit. Doris Dörrie ist eine der bekanntesten Vertreterinnen dieses Berufs. An den Filmhochschulen sind die Geschlechter noch gleich verteilt, auf den Regiestühlen dürfen Frauen jedoch nur selten Platz nehmen.
Frauen sind unter den Regisseuren die Minderheit. Doris Dörrie ist eine der bekanntesten Vertreterinnen dieses Berufs. An den...Foto: dpa

Machen Männer bessere Filme als Frauen? Über die Frage kann man sicher streiten. Unstrittig ist jedoch, dass Männer deutlich mehr Filme machen als ihre Kolleginnen. 85 Prozent der 580 im Bundesverband Regie (BVR) registrierten Regisseure sind Männer. Und das, obwohl fast ebenso viele Frauen wie Männer an den Filmhochschulen im Fach Regie einen Abschluss machen. Was danach mit ihnen passiert, ist ein wenig rätselhaft.

Nachdem der BVR und die Initiative ProQuote bereits Ende 2014 auf das Missverhältnis hingewiesen haben, hat nun das European Women’s Audiovisual Network EWA unter der Leitung seiner Direktorin Francine Raveney eine Studie herausgebracht, die erstmals die Situation von Regisseurinnen in sieben europäischen Ländern untersucht. „Wo sind die weiblichen Regisseure im Europäischen Film?“ lautet der Titel der Studie, die am Samstag im Rahmen der Berlinale im „HomeBase Lounge“ in der Köthener Straße vorgestellt wurde. 900 Filmschaffende in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Kroatien, Österreich und Schweden wurden dazu befragt, und ja, man ahnt es, das Ergebnis ist wenig erfreulich.

In manchen Serien führen Frauen nie Regie

Schon die Untersuchungen des BVR und von ProQuote hatten ans Licht gebracht, dass lediglich elf Prozent der Filme im deutschen Hauptabendprogramm von Frauen gemacht sind und es bei ARD und ZDF Serien- und Reihenformate gibt, in denen zwischen 2011 und 2013 keine einzige Frau Regie führen durfte.
Laut EWA-Studie sieht es in den anderen Ländern nicht viel besser aussieht. 79 Prozent der Befragten finden, dass regieführende Frauen in ihren Ländern diskriminiert werden. Am wenigsten empfinden das mit 49 Prozent die Filmschaffenden in Kroatien, Frankreich folgt mit mit 68 Prozent auf dem zweiten Platz. Auf Platz eins im Negativranking landet Deutschland mit 95 Prozent, dicht gefolgt von Großbritannien mit 94 Prozent.

Die konkrete Zahlen belegen, dass in Deutschland 83 Prozent der Filmförderung an Filme geht, die von Männern gemacht werden. Bei lediglich 17 Prozent der geförderten Filme sitzt eine Frau auf dem Regiestuhl. Das ist vermutlich auch der Grund, warum es nur 15 Prozent der Werke unter weiblicher Regie in die Top 20 der erfolgreichsten Filme schaffen.Zudem bekommen von Frauen gemachte Filme auch noch weniger Geld: Im Vergleich zu denen ihrer männlichen Kollegen erhalten sie durchschnittlich satte 35 Prozent weniger für ihr Projekt. Kein Wunder, dass die Hälfte der Teilnehmer an der Umfrage das Gefühl äußerten, dass eine Regisseurin die Finanzierung eines Filmprojekts negativ beeinflusst. Das geringere Budget hat wiederum zur Folge, dass von Frauen gemachte Filme auch mit deutlich weniger Kopien in die Kinos kommen, was automatisch geringere Besucherzahlen nach sich zieht – ein Teufelskreis.

Ist das Problem nur über neue Quoten zu lösen?

Das Ungleichgewicht der Geschlechter zieht sich durch alle Punkte der Studie. Offenbar hat sich – trotz erhöhtem Bewusstsein für das Problem – faktisch in den letzten Jahren kaum etwas verändert. Francine Raveney hofft nun, dass durch die Studie das Bewusstsein für die diskriminierende Ungleichheit in der Branche noch weiter steigt und dass – über das bereits vereinbarte hinaus – weitere Quoten eingeführt werden. „Die Situation ist nicht akzeptabel, die gläsernen Decken müssen zerschlagen werden“, sagt sie. „Der Trend darf nicht länger in Richtung engstirniger Rückwärtsgewandtheit gehen, sonst wird es mit den diskriminierenden Praktiken in unserer Gesellschaft immer so weiter gehen.“