Medien : Unsere grunzenden Ahnen

Tilmann Ganglof

„Es war einmal vor 400 000 Jahren in einem unbedeutenden Sonnensystem“: Mit diesen Worten beginnt der erste Teil von „Homo Sapiens“. Doch selbst wenn der Film nur bedingt den Regeln des klassischen Dokumentarfilms gehorcht: Er erzählt alles andere als ein Märchen. Die Darsteller mögen Statisten sein, die Dramaturgie die eines Drehbuches. Aber stärker noch als in Jean-Jacques Annauds Kinofilm „Am Anfang war das Feuer“ hat man das Gefühl: Genau so könnte es sich zugetragen haben.

Der vom ZDF koproduzierte Film hatte in Frankreich über acht Millionen Zuschauer; eine bis dahin kaum für möglich gehaltene Zahl. Zu verdanken dürfte dies nicht nur der gefühlten Authentizität, sondern ausgerechnet auch der Komplexität des Themas gewesen sein: Im Zentrum steht nicht die biologische Evolution, sondern der Beginn der Zivilisation, der kulturgeschichtliche Übergang vom Homo erectus zum Homo sapiens. In den Anfangsszenen ist davon wenig zu spüren; erste Entdeckungen machen die nackten behaarten Zweibeiner eher zufällig.

Kunststück der beiden Filme – den zweiten Teil zeigt das ZDF am kommenden Sonntag – ist der Kommentar, von Schauspieler und Synchronsprecher Christian Brückner (Robert De Niro) gewohnt angenehm und markant vorgetragen. Sein Text steckt voll mit Informationen und er redet praktisch ununterbrochen, was man in der Regel leicht als Überfrachtung empfinden würde. Dank Brückners angenehmer Stimme aber lauscht man ihm gern. Das liegt vielleicht auch daran, dass in den beiden Teilen ansonsten fast nur Grunzlaute zu vernehmen sind.

Zart besaitete Zuschauer seien noch drauf hingewiesen, dass die Sitten in grauer Vorzeit rau waren. Fleisch wird roh verspeist, und wenn einem Mann in der Kälte der Alpen mal ein Ohr abfriert, kann es vorkommen, dass seine Kumpane darauf herumkauen, was er natürlich nicht in Ordnung findet; da isst er es schon lieber selbst.

„Homo sapiens“ – 1. Teil: Sonntag, 19 Uhr 30, ZDF

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben