Unternehmenszahlen : Flatterball

Nicht nur das Monopol über die Übertragungsrechte brachten dem Privatsender Premiere viel Geld ein. Auch die Bundesligavereine hängen von dem Geschäft ab. Die jüngsten Premiere-Turbulenzen über frisierte Unternehmenszahlen verunsichern auch die Vereine. Und das kommt dem Unternehmen ungelegen, denn Ende Oktober werden die Rechte über drei Saisons von der Deutschen Fußball Liga vergeben.

Joachim Huber,Kurt Sagatz
Premiere
Eigentor? Der Privatsender sieht seine Zukunft nicht gefährdet. -Foto: ddp

MünchenVertrauen ist das Wort der Stunde. Der Pay-TV-Sender Premiere braucht ganz viel und ganz dringend davon. Ende Oktober wird der wichtigste Partner des Senders, die Deutsche Fußball Liga (DFL), die Medienrechte an der Bundesliga für drei Saisons ab 2009/2010 ausschreiben. Nach bisherigem Stand will und wird Premiere der bedeutendste Nachfrager sein, es geht um sämtliche Livespiele der Eliteliga.

Ohne exklusive Bundesliga-Übertragungen würde der Pay-TVSender zusammenbrechen, umgekehrt die DFL ihren wichtigsten Einzelfinanzier – Premiere zahlt momentan mehr als 200 Millionen Euro in den Bundesligatopf – verlieren. "Wir waren und sind der Meinung, dass die Bundesliga unbedingt angewiesen ist auf ein starkes Pay-TV-Segment", sagte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert dem Magazin "Kicker".

Aktienwert hat sich halbiert

Jedwede künftige Zusammenarbeit zwischen der DFL und dem Pay-TV-Sender beruht auf Vertrauen. Die Liga muss sicher sein, dass der Sender liquide bleibt, gerade jetzt, da der Milliarden-Deal mit Leo Kirch geplatzt ist. Bei einigen Vereinen sind wegen der Zukunft von Premiere Fragezeichen aufgetaucht, seitdem bekannt wurde, dass sich die ehemaligen Premiere-Geschäftsführungen unter Georg Kofler und Michael Börnicke bei der Zahl der Abonnenten um beinahe um eine Million nach oben "verrechnet" hatten. 2008 wird wieder ein Verlustjahr für Premiere. Die Börse ist schockiert und hat den Aktienkurs auf knapp 3,40 Euro mehr als halbiert.

Höchste Zeit für vertrauensbildende Maßnahmen. Die Premiere AG hat Gespräche mit ihren Banken über die Restrukturierung von Kreditvereinbarungen aufgenommen, teilt der Sender mit. Welche Banken das sind, sagt Sprecher Thorsten Fricke nicht, er verweist lieber auf das Statement des neuen Vorstandsvorsitzenden Mark Williams: "Wir überprüfen gründlich sämtliche Bereiche im Unternehmen und sind zuversichtlich, dass dies in eine neue strategische Ausrichtung mündet, die durch einen belastbaren Businessplan für das weitere Wachstum und die Profitabilität von Premiere unterstützt wird." Ein Sendermitarbeiter bringt es auf die schlichte Formel: "Wir koflern nicht mehr so viel."

Alle hoffen auf das große Geld von Ruppert Murdoch

Echte Zahlen, solider Businessplan, raus aus dem Wolkenkuckucksheim, Premiere kämpft ja an zwei Fronten, es geht um verlängerte Kreditlinien und um die Verlängerung des Bundesliga-Engagements. Alle Beteiligten innerhalb und außerhalb des Unternehmens in München-Unterföhring setzen auf CEO Williams, dem es immerhin gelungen war, das Pay-TV Sky Italia aus den roten Zahlen zu führen.

Und sie setzen auf den Medienmogul hinter Williams, auf Rupert Murdoch. Dessen globale und mächtige News Corporation ist mit gut einem Viertel der Anteile größter Aktionär von Premiere. Gerüchte, dass Murdoch durch ein Aufstocken seiner Anteile auf über 95 Prozent die AG von der Börse nehmen will, halten Insider für bloße Gerüchte: "Das kostet nur unnötig Geld."

Am Ende zählt das Produkt

Geld, das andernorts gebraucht wird. Denn eins ist für Marktbeobachter klar: "Rupert Murdoch ist nicht gekommen, um Premiere abzuwickeln, sondern um etwas aufzubauen", schätzt André Wiegand, Mit-Geschäftsführer der Berliner Unternehmensberatung Goldmedia, die Lage ein. "70 Prozent der Premiere-Kunden hatten bislang Fußball in ihrem Bouquet. Ich gehe also davon aus, dass Premiere alles unternimmt, damit Fußball im Programm bleibt." Das Aus für die DFL-Verhandlungen mit Sirius ist somit für Premiere nach wie vor ein Glücksfall.

Dass die derzeitigen wirtschaftlichen Schwierigkeiten das Image von Premiere bei den Zuschauern beschädigen, glaubt Wiegand indes nicht. "Für das Publikum zählt am Ende das Produkt, also das Programm. Ähnlich sieht es bei der Werbewirtschaft aus, die vor allem im Bereich des Sponsorings immer wichtiger wird. Für sie kommt es ebenfalls vor allem darauf an, dass die Zuschauer mit ihrem Programm zufrieden sind."

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