US-Website "National Report" enttarnt den Falschen : Paul Horner ist nicht Banksy

Die US-Seite "National Report" hatte Street-Art-Künstler Banksy enttarnt: Als Paul Horner aus Liverpool. Sogar tagesschau.de fiel auf die Ente herein.

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Banksy bleibt gesichtslos. Und das ist auch gut so, findet unser Autor.
Banksy bleibt gesichtslos. Und das ist auch gut so, findet unser Autor.Foto: dpa

Die Peinlichkeit ist groß, die Freude auch. Ich habe der US-Website „National Report“ geglaubt, dass Street-Artist Banksy enttarnt worden ist. Die Website berichtete, die Londoner Polizei habe ihn auf frischer Tat ertappt. Banksy hieße mit Klarnamen Paul Horner, 35 Jahre sei er alt und stamme aus Liverpool. Alles ein großer, schöner, gekonnter Fake. Banksy bleibt Banksy. Ein moderner Zorro des gesprayten Protestes, Tarnname für einen Einzelgänger oder ein Kollektiv, eine Marke und mittlerweile auch ein Markt. Seine Wandgemälde kosten sechsstellige Summen, der Käufer hat nur das Problem, es irgendwie in seinen Besitz zu nehmen, mit Vandalismus muss gerechnet werden.

Soziale Netzwerke hatten die Exklusivmeldung von der Enttarnung verbreitet. Ging einmal rund um den Globus, fand Beachtung bei tagesschau.de. Kaum war die Meldung als bewusste Falschmeldung des satirisch ausgerichteten „National Report“ identifiziert, ging das Dementi erneut durch alle medialen Kanäle. Das Foto, das auf der US-Homepage gezeigt wurde, stammt offenbar eine Festnahme beim Nottinghill-Festival 2011.

Banksy lebt, weder ist er gefasst noch ist er enttarnt. Warum sind Menschen, warum sind Journalisten auf die Falschmeldung reingefallen? Weil sie alle geil sind auf die wahre Identität dieses mysteriösen Mannes, der mit seiner Mauer-und-Wand-Kunst treffliche Kommentare zur Zeit liefert. Ein Straßenkämpfer, der mit Blumen wirft – solcherart sind seine Motive. Jedem Statement ist ein Fragezeichen eingeschrieben, er erweitert, verfremdet und deutet neu. Ein Chronist, der anregt und animiert, Gefühle und Gedanken provoziert. Die weltweite Banksy-Community ist begeistert.

Wäre Paul Horner aus Liverpool wirklich der Mann mit der Street-Credibility, wäre die Enttäuschung doch riesengroß. Banksys Identität muss heilig sein, sein Geheimnis ertragen werden. Wer Banksy verrät, verrät sich selbst.

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