Vertretung : Schrecklich nette Familie

Sophie Rois hat in Vertretung von Maria Simon ein Kommissarinnen-Gastspiel im Brandenburger „Polizeiruf 110“.

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Neue Kommissarin: Rusch (Sophie Rois) mit Polizist Krause (Horst Krause).Foto: RBB
Neue Kommissarin: Rusch (Sophie Rois) mit Polizist Krause (Horst Krause).Foto: RBBFoto: rbb/Oliver Feist

Im Gegensatz zum „Tatort“ darf und soll der „Polizeiruf“ gegen die üblichen Konventionen des Sonntagskrimis verstoßen. Während der „Tatort“ traditionell mit einer Leiche beginnt, kommt der „Polizeiruf“ gern auch mal ganz ohne Gewaltverbrechen aus. Dass der Mord erst am Ende begangen wird, ist allerdings eher ungewöhnlich, und auch sonst ist dieser Sonntagskrimi anders als die anderen. Das beginnt schon mit der Ermittlerin: Sophie Rois ist als Vertretung für (die zu Drehzeiten schwangere) Maria Simon eingesprungen.

Die vielfach ausgezeichnete Österreicherin spielt gern schräge Figuren, und daher fällt auch ihre Kommissarin aus dem Rahmen. Aber das gilt für den gesamten Film, zumal die Geschichte schon bizarr beginnt. Gurkenfabrikantin Luise König (Susanne Lothar) wird an ihrem Arbeitsplatz von einem Vampir heimgesucht. Der als Dracula maskierte Eindringling droht, sie zu verbrennen, was der wackere Polizeihauptmeister Krause (Horst Krause) im letzten Moment verhindern kann.

Dafür hinterlässt Dracula eine stilechte Bisswunde. Weil Ersatzkommissarin Rusch um das Leben der Gurkenkönigin fürchtet, lädt sie sich und Krause kurzerhand zum Geburtstagsfest der Fabrikantin ein. Dabei stellt sie fest, dass die Dame von einer schrecklich netten Familie umgeben ist. Weder der Gatte (Bernhard Schütz) noch die beiden Töchter (Lisa Wagner, Jennifer Ulrich) sind der Patriarchin von Herzen zugetan, und auch der Liebhaber (Peter Benedict) hat noch eine Rechnung mit ihr offen. Der Sohn (Hannes Wegener) des Mannes hat eine Liaison mit Luises älterer Tochter, was für zusätzliche Komplikationen sorgt: Die beiden sind mutmaßlich Halbgeschwister.

Interessanter als die familiären Irrungen und Wirrungen (Buch: Wolfgang Stauch) ist der Handlungsort. Diverse ZDF-Krimis wie „Der Tote im Spreewald“ haben sich die eigentümliche Topografie des Spreewalds bereits zunutze gemacht, und auch Regisseur Ed Herzog sorgt für viel Atmosphäre, wenn über den Wasserstraßen die Nebel wallen. Zwischendurch gibt es gerade während des Familienfestes etwas Leerlauf, den Tamás Kahane dafür umso prächtiger mit seiner Musik füllt. Tilmann P. Gangloff

„Polizeiruf 110 – Die Gurkenkönigin“, ARD, 20 Uhr 15

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