Vom Ersten ins Zweite : Das Pelzig-Prinzip

Frank-Markus Barwasser empfängt wieder prominente Gäste zur Bowle – nun aber im ZDF. Welche Folgen der Senderwechsel für die Show des Kabarettisten hat.

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Foto: ZDFFoto: Tobias Hase

Es wird wieder Bowle ausgeschenkt im deutschen Fernsehen, allerdings auf einem anderen Sendeplatz. Erwin Pelzig begrüßt seine Gäste nun im ZDF, doch in seinem Bowletopf geht es immer noch bunt zu: Die rätselhafte Flüssigkeit ist gelb, grün oder orange, mal klar und hellrot, mal geht es auch ins Schlammfarbene. „Ich würde da niemals von Rezept sprechen“, sagt Frank-Markus Barwasser alias Pelzig. Das Bowle-Prinzip bestehe darin, „dass sie nicht gut schmeckt. Das soll Gast und Gastgeber verbinden“. Meist verziehen die Gäste schon beim ersten Schluck das Gesicht. CSU-Politikerin Monika Hohlmeier bat allerdings nach ihrem Auftritt darum, noch ein Glas Bowle mit hinter die Kulissen zu nehmen. Die Geschmäcker sind eben verschieden.

Der Würzburger Kabarettist Frank-Markus Barwasser hat die Figur des Erwin Pelzig Anfang der neunziger Jahre erfunden. Von Bayern 3 im Hörfunk wanderte sie 1998 ins Bayerische Fernsehen, 2007 zusätzlich ins Erste Programm. Nun ist Pelzigs originelles Talkformat jenseits des Weißwurst-Äquators in Mainz angekommen – eine Spätfolge des Abschieds von Georg Schramm bei „Neues aus der Anstalt“. Als das ZDF Barwasser als Schramms Nachfolger engagieren wollte, erhob der Bayerische Rundfunk (BR) als Gastgeber von „Pelzig unterhält sich“ Bedenken: Pelzig sowohl in der ARD als auch beim ZDF? Das gehe nicht. „Ach, ich hab’s auch nicht ganz verstanden“, sagt Barwasser. Später sei ihm dann angeboten worden, dass die Sendung weiter für das BR -Fernsehen produziert werden könne, freilich ohne den Wiederholungstermin im Ersten. Da war sich Barwasser aber schon mit dem ZDF nahezu einig. „Ich bin vom BR nicht im Unfrieden geschieden“, betont er dennoch.

In der „Anstalt“ ist er neben Urban Priol mittlerweile „voll angekommen“, wie ZDF-Unterhaltungschef Manfred Teubner sagt. Nun zieht Barwasser auch mit seinem „Kabarett-Talk“ (Teubner) um. Der trägt die listige Kurzform „Pelzig hält sich“ und wird früher als im Ersten gezeigt. Die Auftaktsendung mit den Gästen Christiane Stenger (Gedächtnis-Weltmeisterin), Rezzo Schlauch (Ex-Grünen-Politiker) sowie Gunther Moll und Ralph Dawirs (Erziehungsexperten) beginnt um 22 Uhr 15, die weiteren sechs Sendungen im Jahr 2011 eine halbe Stunde später.

Ansonsten bleibt alles beim Alten. Die Bowle, drei oder vier Gäste und natürlich Pelzig selbst: Ein einfacher Franke, der seine Gäste neugierig und freundlich ausfragt, aber Prominenten im Zweifel auch mit Bauernschläue und rustikalem Charme zu Leibe rückt. „Ich streite mich gerne“, sagt Barwasser. Aber die Atmosphäre bleibt entspannt und dem Gastgeber kann man ohnehin nicht böse sein. Das Prinzip Pelzig scheint allerdings besonders gut bei den Platzhirschen seiner Heimat zu funktionieren. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer wiederum entlockte er im vergangenen Mai zur Finanzkrise den aufschlussreichen Satz: „Diejenigen, die entscheiden, sind nicht gewählt. Und diejenigen, die gewählt sind, haben nichts zu entscheiden.“ Und über die Telefonate mit Bundeskanzlerin Angela Merkel rutschte Seehofer die Bemerkung heraus: „Das ist manchmal Folter.“ Thomas Gehringer

„Pelzig hält sich“, ZDF, 22 Uhr 15

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