Von Tor zu Tor - WM-Kolumne : Sieg, Frieden und schlaue Fragen für Mertesacker und Co

Heute sind wir ganz bei Jürgen Bergener. Der ARD-Reporter darf sich am Abend gleich nach dem Spiel gegen Frankreich schlaue Fragen für Mertesacker & Co ausdenken.

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Gebt Frieden eine Chance
Gebt Frieden eine ChanceFoto: dpa

Heute sind wir ganz bei Jürgen Bergener. Der ARD-Reporter darf sich am Abend gleich nach dem WM-Spiel gegen Frankreich schlaue Fragen für Mertesacker & Co. ausdenken. Wohin das führen kann, hat man neulich ja gesehen. Die hitzigen Antworten von Abwehrspieler Per Mertesacker („Wat woll’n se?“) in Richtung ZDF-Reporter nach dem dürren 2:1-Sieg gegen Algerien haben zu einer Grundsatzdebatte über die Empfindlichkeiten von Profifußballern und den Sinn dieser „Flash-Interviews“ kurz nach Spielende geführt. Aber, Herr Bergener, keine Sorge, alles halb so wild. Mertesacker kommt aus Niedersachsen. Der Lange kann deshalb kein ganz wütender Mensch sein. Das weiß ich aus Erfahrung.

Was für eine Aufregung um ein gereiztes Fernsehinterview. Bei aller Kritikerlust und Reporter-Geschwätzigkeit, ich muss jetzt mal meinem Kollegen Norbert Thomma zustimmen: Ich schaue sehr gerne Fußball, aber eben nur Fußball, und das ungestört, da ist es mir im Grunde herzlich egal, in welcher Form ARD und ZDF die Zeit vor und nach dem Spiel totschlagen. Was hat es da in drei Wochen WM neben Flash-Interviews nicht alles an Unfug gegeben: Orakelkraken, schöne, nichtssagende Jubel-Reporterin an der Copacabana, Ex-Profis wie Hasan Salihamidžić, die sich in Vorberichten an befreundete Ex-Profis heranwanzen, zuguterletzt Alexander Bommes und sein geglückter Versuch, aus dem „WM-Club“ eine erkenntnisfreie Spaß-Zone zu machen. In diesem Sinne haben wir Waldi Hartmann viel Unrecht getan.

Vielleicht stimmt das ja: Wir Medienmenschen sind notorisch schlecht gelaunt, so dass immer wieder kritisiert, gerichtet, abgeurteilt werden muss. Teammanager Oliver Bierhoff hatte sogar eine Grundfreude übers Erreichen des Viertelfinales vermisst. Gerne doch! Machen wir. Und jetzt einfach mal Frieden mit beleidigten Spielern und der ganzen WM-TV-Folklore drumherum. Dann redet der Schweinsteiger eben nicht mit uns. Na, und? Wenn der Auftrag zur Kolumne nicht dazu zwingt, wird bei Fußball-Übertragungen sowieso erst zum Anpfiff an- und nach Spielschluss abgeschaltet. Das kann ich nur empfehlen. Heute, nach dem Viertelfinale gegen Frankreich, mache ich allerdings eine Ausnahme. Und warte auf Jürgen Bergener.

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