Medien : Vorsicht! Werbung: Eigentor - Das CDU-Plakat

Reinhard Siemes

"Damit kriegen wir ihn", frohlockt Laurenz Meyer. Soeben hat seine Osnabrücker Leibagentur Hagenhoff und Graef das Rentenlügen-Plakat präsentiert, Arbeitskürzel KK (Krimineller Kanzler). Die Typografie ist zwar wie der Text tiefste Provinz. Aber auch MMchen - Merz & Merkel - sind am nächsten Tag von dem Elaborat angetan. "Das geht ihm voll in die Weichteile", denkt Merz in seinem früheren Kneipen-Jargon. Nur Angelas Stirn wirft eine leichte Falte unterhalb der Prinzessin Eisenschmerz-Frisur. Der Rest ist bekannt. Merz erklärt das Plakat zur strittigen Geschmacksfrage, Angela entschuldigt sich beim Kanzler. Der tat bis dahin das einzig Richtige: Er überließ die Empörung anderen.

Offenbar weiß er, was der Münchener Journalist Hanjo Seißler bereits über die Plakate des CDU-Hofhundes Peter Hinze sagte: "Niemand gewinnt Profil, wenn er versucht, anderen das Gesicht zu nehmen." Als Ergänzung dazu eine Weisheit aus meiner Eckkneipe: "Wer andere massiv mit Dreck bewirft, kann das nur tun, wenn er auf einem großen Misthaufen sitzt." Darum wäre die SPD schlecht beraten, wenn sie in dieser oder ähnlicher Form kontern würde.

Es gibt in der politischen Werbung zwei probate Mittel, mit bösartigen Attacken der Gegner umzugehen. Entweder Spott. Etwa das legendäre Plakat der Demokraten in den USA, auf dem zu einem Konterfei von Nixon die Frage gestellt wurde: "Würden Sie von diesem Mann einen Gebrauchtwagen kaufen?" Oder nicht mal ignorieren, wie der Hamburger sagt. Kommt ganz auf die Position an. Ich kann Herrn Meyer nur diesen Rat geben: Versuchen Sie rasch, einen Studienplatz in der Texterschmiede in Hamburg zu bekommen. Hier lernen Sie in sechs Monaten unter anderem die Grundbegriffe guter politischer Werbung. Kleines Problem: Sie müssten einen Aufnahmetest machen.

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