Medien : Vorsicht! Werbung: Riesters Quiz-Show

Reinhard Siemes

Am 11. Mai hat sich Deutschland für die neue Rente entschieden. Und für eine neue Idee: Solidarität mit Gewinn.

Nein, ich habe nicht zu viel der guten Mai-Bowle getrunken. Dieser Renten-Text steht in einer doppelseitigen "Spiegel"-Anzeige des Bundesministers für Arbeit und Sozialordnung. (Wenn ich nur wüsste, was mit Sozialordnung gemeint ist.) Damit auch jeder sieht, wer dieser Minister ist, nimmt sein Konterfei die Hälfte der Anzeige ein (50 Prozent von 161 942 Mark). Die Formulierung "Solidarität mit Gewinn" stammt vermutlich aus einer seiner Reden und wurde der zuständigen Werbeagentur aufs Auge gedrückt. Ein derart verquastes Politiker-Deutsch bringt selbst der schlechteste Werbetexter nicht zuwege.

Die Bundesministerin für Bildung und Forschung ist da schon ein Stückchen weiter. Sie lässt in einer Anzeige für das neue BAföG zwei Vorzeige-Kids und Guildo Horn für sich reden. Kid 1: "Ich will durchstarten." Kid 2: "Ich will Design studieren." Guildo, mit weißem Hemd und Krawatte: "Du erreichst Dein Ziel." So stellen sich Apparatschiks für Öffentlichkeitsarbeit die Werbung vor. "Wir brauchen ein Leitbild, am besten einen Diplom-Pädagogen, der einen Draht zur Jugend hat. Der Guildo Horn, der schwitzt doch immer so schön." Oder im Falle Riester: "Dürfen wir Sie in der Anzeige abbilden, Herr Minister? Die Leser brauchen eine Bezugsperson, Herr Minister."

Ich sehe das so: Wenn Rentenreform und BAföG tatsächlich so heilsam für Deutschland sind, können die Minister ihre Laudatio getrost den Medien überlassen. Sicher, von Springer und Kirch wird nie ein Lob zu einer rot-grünen Reform kommen. Doch das ist noch lange kein Grund, mit lachhaften Anzeigen ein paar Millionen Mark zu verpulvern. Dann lieber das Geld für ein Quiz verbraten: "Erklären Sie Minister Riester die Rentenreform. Und gewinnen Sie 100 000 Mark!"

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