Medien : Vorsicht Werbung: Studium Werbung?

Reinhard Siemes

Weil ich häufiger, nahezu oft, Kritik an meinen kreativen Kollegen übe, muss ich mir die Frage gefallen lassen: "Wenn Sie die Werbung so zum Kotzen finden, warum machen Sie nicht was anderes?" Zwei Antworten: Ich speie nicht auf die Werbung, sondern nur auf bestimmte Formen der Werbung. Und ich habe nichts anderes gelernt. Außerdem ist die Arbeit als Kreativer in der Werbung - ob Grafik oder Text - trotz aller Widrigkeiten äußerst interessant.

Banker befassen sich ein Leben lang mit Bankgeschäften, Zahnärzte sehen immer nur Zähne. Der kreative Werber aber hat heute mit Dessous zu tun, morgen mit PC-Herstellern und übermorgen mit einem Möbelhaus. Er macht Anzeigen, TV-Spots, Funkwerbung, Internet-Seiten, Flyer, Prospekte, Kataloge oder Aktionen mit Weihnachtsmännern. Geld gibt es auch dafür. Sehr viel sogar, wenn man gute Arbeit leistet. Werbung ist also durchaus ein Studium wert. Aber welches?

Art Direktoren, vulgo Grafiker, haben es leicht. Es gibt mindestens zwanzig gute bis sehr gute Hochschulen und Fachhochschulen in Deutschland. Der Weg zum Texter ist wesentlich enger. Ein halbwegs textorientiertes Vollstudium gibt es nur an der Berliner Hochschule der Künste, Studiengang "Gesellschafts- und Wirtschafts-Kommunikation". Klingt toll, nicht wahr? Kürzer und dichter an der Praxis sind die zwölfmonatigen Lehrgänge an der "Werbeschmiede" in Hamburg. Hier gibt es bei entsprechender Eignung den nötigen Praxisplatz gleich dazu. Quereinsteiger oder Berufsanfänger können sich für 750 Mark die Texterschule im Internet antun.

Und wer noch nicht genau weiß, was er nicht weiß, lässt sich vom Art Directors Club für Deutschland in Frankfurt für zehn Mark die Nachwuchsbroschüre schicken. Die ist zwar schon fast acht Jahre alt. Aber die heutige Werbung ist ja auch nicht neuer als 1993.

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