Medien : Wackeldackel

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VORSICHT! WERBUNG

Zur Zeit läuft ein Fernsehspot, der wirklich erträglich ist: Ein junger Typ parkt seinen schmuddeligen Pickup vor einer Prärie-Hütte, stellt seine Dose Lipton Ice Tea auf die Rückablage, wo sich auch ein Wackeldackel befindet, und knallt die Tür zu. Die Dose fällt um, der Eistee fließt rüber zum Wackeldackel. Der erwacht zum Leben, schlürft den Eistee und schwingt sich hinters Steuer. Wippend zum Song „Born to be alive“ fährt er Richtung Strand, um ein Mädchen anzumachen. Danach sitzen beide nebeneinander im Sand und wackeln gemeinsam zum Song von „The Village Voice“.

Das mag kein Geniestreich sein, ist im Einerlei der Werbeblöcke aber auf jeden Fall erfreulich. Wie alle Filmchen der Jetztzeit besteht er aus vielen Schnitten. Das heißt, für 30 Sekunden wurden etwa 20 Bildeinstellungen zusammengestückelt. Das ist aber noch relativ harmlos. Manche Spots bringen es in dieser Zeit auf 40 optische Schnipsel. Dabei fällt auf: Je gesichtsloser der Film, desto mehr wird er zerhackt. Angeblich entspricht das den modernen Sehgewohnheiten, vor allem denen der Jugend. Würde ich auch behaupten, wenn meine Idee darin bestünde, ein Auto durch eine Straßenschlucht fahren zu lassen, die sich in einen Kanal verwandelt – und plötzlich springen Delphine aus dem Kanalwasser. Offenbar um zu beweisen, wie intelligent das Auto ist und wie dämlich die Meeressäuger sind. Welcher Fisch schwimmt schon freiwillig in eine Wasserstraße?

In meinen Seminaren für Jungkreative predige ich immer wieder die alte Regel: Einen guten Spot kann man in ganz wenigen Sätzen wiedergeben, weil er eine Idee hat, beziehungsweise eine kleine Geschichte erzählt. Aber was ist leichter zu machen: Der neue raffinierte Kalbsbraten? Oder das Geschnetzelte? Reinhard Siemes

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