Wahlfernsehen : Spannung statt Ergebnis

ARD und ZDF machen Wahlen zum Ereignis. Und die Zuschauer werden um ihren Tatort gebracht.

Joachim Huber
ARD Wahlfernsehen
Wahlen: Wie nahe sind die Prognosen an der Wirklichket dran? -Foto: ddp

„Die Hochrechner sind an der Grenze“, musste ARD-Oberwahlforscher Jörg Schönenborn konstatieren. Das Endergebnis für Landtagswahl in Hessen wollte sich bis zum Ende der verlängerten „Tagesschau“ um 20 Uhr 20 frecherweise nicht festlegen lassen. Jede einzelne Stimme zählte – das rückte den Landeswahlleiter in den Mittelpunkt und gab dem Wahlabend mehr Spannung als dem nachfolgenden „Tatort“. Auch das ZDF, das vor dem Film „Das Wunder von Berlin“ um 20 Uhr 15 eine Hochrechnung nachschob, konnte für keine klaren Verhältnisse im Land der Hessinnen und Hessen sorgen.

Ist es nicht beruhigend zu erfahren, dass selbst ein so ausgefeiltes Wahlfernsehen wie das von ARD und ZDF die Wirklichkeit der Stimmabgabe nur annähernd abbilden kann? Die Unterschiede, auf denen Erstes und Zweites bei den Anteilen für die CDU und die SPD weiter beharrten, unterstrichen das nur. Hurra – Wahlen in Deutschland sind bis zur „Lindenstraße“ nicht entschieden.

Die Journalisten aller Sender versuchten deswegen, in immer wieder neu zusammengewürfelten Interviewrunden mögliche Koalitionen im Hessenland zuzusammenzufragen. Wirklich gelungen ist das nicht, konnte es auch gar nicht. Die Politiker übernahmen nämlich die Rolle der Prognostiker, wie das Ergebnis tatsächlich aussehen wird: CDU-Koch setzte auf eine hauchdünne Mehrheit für Schwarz-Gelb, SPD-Ypsilanti redete die Linke aus dem Landtag in Wiesbaden.

Es wäre kein Fehler gewesen, wenn ARD und ZDF die Ausstrahlung ihrer Filme immer wieder mit „Bauchbinden“ zum Stand der Auszählung in Hessen ergänzt hätten. www.tagesschau.de und www.heute.de waren nicht schlauer als die Fernsehprogramme.

In Niedersachsen wurde auch gewählt. Der Ausgang war frühzeitig derart klar, dass – wie ein Blick ins CDU-Hauptquartier zu Hannover zeigte – „Die Simpsons“ auf einem Monitor liefen. Auch ein Unions-Niedersachse will neben aller Wahlfreude seinen Spaß.

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