Wahlkampf im TV : Fakten ja, Geplapper nein

Gleich drei Talkerinnen waren am Wahlsonntag mit Anne Will, Maybrit Illner und Sabine Christiansen auf Sendung - doch nur wenige Zuschauer schalteten ein. Am politischen Desinteresse lag's jedoch nicht.

Matthias Kalle
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Talk, talk, talk. Maybrit Illner (l.), Sabine Christiansen (Mitte), Anne Will. Foto: dpadpa

Es wirkt doch manchmal sehr bemüht, wie man die Dinge benennt. Der vergangene Sonntag zum Beispiel war ein Super-Wahlsonntag, das lag an drei Landtagswahlen, im Saarland, in Sachsen und in Thüringen, und an den Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen. Aber der Name taugt nicht, um zu beschreiben, was auf drei Sendern ab 22 Uhr passiert ist: Da gab es keine Wahl, sondern drei Frauen und ihre Polittalkshows.

Die Quoten waren mäßig, Anne Will holte für die ARD immerhin 2,6 Millionen Zuschauer, Maybrit Illner kam im ZDF auf 1,84 Millionen, aber Sabine Christiansen schaffte mit der zweiten Ausgabe ihrer neuen Sendung auf Sat 1 gerade 590 000 Zuschauer – mit politischem Desinteresse lässt sich das jedoch nicht begründen. Die 20-Uhr-Ausgabe der „Tagesschau“ erzielte einen Spitzenwert von über sieben Millionen Zuschauern. Die Leute wollten wissen, was Sache ist, sie wollten Informationen, Zahlen, Fakten. Den Talk wollten sie offensichtlich nicht.

Anne Wills Sendung begann als Erste, sie hatte Guido Westerwelle (FDP) und Sigmar Gabriel (SPD) da, ein Vergnügen, wie leidenschaftlich beide stritten, sie waren mittendrin im Wahlkampf. Dummerweise saß in der Runde auch Günther Oettinger, CDU-Ministerpräsident von Baden-Württemberg, doch der blieb so blass und stumm wie die gesamte CDU in diesem Wahlkampf. Auch Anne Will muss ihn zeitweise vergessen haben, so gespannt folgte sie dem Duell Westerwelle – Gabriel, diese Zurückhaltung tat der Sendung gut.

Maybrit Illner schaffte das Gegenteil, ihre Überpräsenz zerstörte wieder jeden Ansatz einer politischen Talkshow. Ein Gewinn für die Zuschauer waren die Gäste, Journalist Friedrich Nowottny und Hans-Dietrich Genscher (FDP), beide klug und besonnen, vor allem Nowottny als Paradebeispiel des politisch interessierten Staatsbürgers war eine Wohltat zwischen der Hektik, die jeder Illner-Sendung zu eigen ist.

Wer da noch Lust hatte, auf Sat 1 zu schalten, sah zwar mit Sabine Christiansen und Stefan Aust zwei sehr gute Journalisten, die allerdings nicht die rechte Lust aufbringen konnten, mit Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) Erkenntnisgewinne zu schaffen. Die Sendung wirkt zu arg konstruiert – was sich abheben soll vom Rest, ist des Guten zu viel.

Übrigens: Der sagenhafte „Polizeiruf“, eingerahmt von so viel Politik, war die beste Wahl, die man am Sonntag im Fernsehen treffen konnte. Matthias Kalle

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