Medien : Was hörst Du?!

Der „Soundcheck“ von Tagesspiegel und Radio Eins

Marc Felix Serrao

Wer wissen will, welche Bücher er morgen lesen soll und welche lieber nicht, muss nur den Fernseher oder das Radio einschalten. Literatursendungen gibt es in Dichterdeutschland ohne Ende, die neueste macht ein Mann, der zum Nachrichtenvorlesen zu alt geworden ist. Wer wissen will, welche Musik gut ist, hat es schwerer. Besonders, wenn er Klingelton-Charts ablehnt und „das Beste der Achtziger, Neunziger und von heute“ nicht mehr hören kann. Der Tagesspiegel und Radio Eins starten morgen zusammen eine neue Sendung, die diese Lücke füllen soll. Im „Soundcheck – das musikalische Quartett“ werden künftig jeden Freitag zwischen 21 und 23 Uhr bei Radio Eins vier Musikexperten von der Zeitung und dem Sender die ihrer Meinung nach vier wichtigsten neuen Alben der Woche vorstellen und danach meinungsstark diskutieren.

Beim Start sind neben Moderator Andreas Müller mit dabei: Kai Müller, Kulturredakteur des Tagesspiegels, Radio- Eins-Musikchef Peter Radszuhn und Elissa Hiersemann, Redakteurin des Senders. Vorgestellt werden die neuen Alben von Irving, „Death in the Garden, Blood on the Flowers“ sowie Helge Schneiders „I Brake Together“, „Land Unter“ von Virginia Jetzt und The Blood Arm mit „Lie Lover Lie“. Für jede Kritik nimmt sich die Runde eine halbe Stunde Zeit. Der jeweilige „Plattenpate“ stellt Band und Album vor, es folgen die Kommentare der Runde. Natürlich werden auch Lieder vorgespielt. Außerdem veröffentlicht der Tagesspiegel ab morgen jeden Freitag kurze Kommentare der Kritiker zur Musikauswahl des Tages. Das Spektrum ist breit, aber anspruchsvoll. Neben jungen Entdeckungen käme natürlich auch ein neues „Madonna“-Album sofort ins Programm, sagt Tagesspiegel-Redakteur Kai Müller. Es gehe um „die Guten und die Großen“. Laut Moderator Andreas Müller sind nur Free Jazz und Speed Metal tabu, weil „ein bisschen zu speziell“. Er betont, dass das Quartett ansonsten völlig unabhängig sei, „keine Versammlung abgehangener Musikkritiker“. Vielmehr solle gnadenlos polemisiert werden: „Wer an das ,Literarische Quartett‘ denkt, denkt richtig.“

Laut Radio-Eins-Musikchef Peter Radszuhn ist der „Soundcheck“ im MP3-Zeitalter auch ein Plädoyer für Musik, die in Form von Alben erscheint. Singles seien sicherlich auch schön, er selbst habe 6000 Stück zu Hause, aber „es muss bitte beides geben“.

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